Alfred Kubin

Ohne Titel (Eremit)

Aquarell und Tuschfederzeichnung auf festem Aquarellpapier. 26,8 x 27,2 cm. Unter Glas gerahmt. Unten rechts mit Tuschfeder signiert 'AKubin' (ligiert).

Mit sarkastisch zynischem Humor und feinem Sinn für absurde menschliche Abgründe und ungeheuerliche Monströsitäten tritt Alfred Kubin das Erbe von Hieronymus Bosch und Francisco Goya an, von denen er ebenso wie u.a. von Johann Heinrich Füssli und James Ensor Graphiken in seiner Sammlung beherbergt.
Die subtile Grausamkeit in der vorliegenden frühen Arbeit erschließt sich dem Betrachter erst in der Summierung der Bildzeichen. Verlassen, zurückgelassen, verstoßen oder vergessen - aus eigenem Antrieb wie ein Eremit oder unverschuldet wie ein Aussätziger, erregt der spärlich bekleidet Verwahrloste in seiner Hinwendung zu den letzten Zeichen der Zivilisation am fernen Horizont Mitleid und Gruselinteresse. Die hereinbrechende Nacht und das blaugrünliche Inkarnat lassen Schlimmes befürchten.
„Wohl aber gab mir das Dasein mancher Werke ähnlich veranlagter Künstler näherer und fernerer Epochen Ansporn und Mut zum Weiterarbeiten, wenn der arge Widerstand der Außenwelt […] einer Belastungsprobe auf die Fatalität der eigenen Begabung gleichkam.“ (Alfred Kubin, Zur Eröffnung einer Kubin-Ausstellung 1927, zit. nach: Ausst. Kat. Alfred Kubin und seine Sammlung, Linz 2015, S. 25). Obgleich psychisch und physisch von schwacher Konstitution, verbucht Kubin nach seinem Studium an der Münchner Akademie der bildenden Künste bald Erfolge mit einer Ausstellung bei Paul Cassirer 1902 in Berlin. Die Folgejahre sind trotz seelischer Untiefen von künstlerischen Erfolgen gekennzeichnet. In der Münchner Galerie Goltz wird 1921 die erste Retrospektive statt mit über 100 Werken eröffnet. Losgelöst von seinen Vorbildern findet er zu einem äußerst eigenwilligen und unabhängigen Schaffen.

Zertifikat

Wir danken Helmut Klewan, München, für zusätzliche Informationen.

Provenienz

Beim Künstler ca. in den 1920er Jahren erworben, Privatbesitz Böhmerwald; Privatbesitz Tschechien