Sehr große Laterne. Bronze. Edo-Zeit, 19. Jh.

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Sehr große Laterne. Bronze. Edo-Zeit, 19. Jh.

Über einem sechseckigen Sockel mit entsprechend sechs Paneelen mit shishi und Päonien in Relief, erhebt sich ein Schaft, der von einem Drachen umwunden wird. Dieser trägt eine Lotosblüte und eine darüber gesetzte sechseckige Platte mit entsprechend sechs Drachenpaneelen. Der darüber befindliche Korpus besteht aus sechs Feldern mit durchbrochenen Ranken, fünf applizierten aoi-mon (zwei davon fehlen) und einer Tür. Aufgesetzt ist eine geschwungene sechseckige Dachspitze in Form eines flammenden Juwels, drei Drachenköpfe mit Flammenzungen, an denen Glöckchen hängen. Allseitig matter Grünspan.
H ca. 295 cm

Laternen wie die vorliegende aus Bronze mit klar gegliedertem Aufbau und dem aoi-Wappen der Tokugawa-Familie kamen vor den Grabkapellen und Mausoleen der Shogune und ihrer engeren Familienangehörigen zur Aufstellung. Sie stehen heute noch im Tôshôgû in Nikkô oder in Tokyo im Ueno Tôshogu, wo Ieyasu verehrt wurde, entweder paarweise oder in langen, oft auch parallelen Reihen bis zu 50 Stück. Die ca. 200 Laternen im Tempel Zôjôji existieren heute nicht mehr. Meist wurden sie von daimyô bei spezialisierten Bronzegießern wie den Shiina in Auftrag gegeben und der Tokugawa-Familie als Kondolenzgeschenk und als Zeichen ihrer treuen Gefolgschaft übergeben. Das Licht der Laternen sollte die bösen Geister vertreiben und die Seele der Verstorbenen ins Paradies führen.

Heute vor Ort erhaltenen Bronzelaternen in Nikkô und Ueno, hergestellt ab der Mitte des 17. Jahrhunderts, zeigen ein klares Aufbauschema verschiedener Elemente: Sockelzone mit shishi-Dekor, Schaft, der von Blütenblattbordüren eingefasst ist, Sockelplatte mit Drachen-Dekor, die den Korpus trägt, und ein geschwungenes Dach, bekrönt von einem flammenden Juwel. Shishi und Drache finden sich immer wieder im ikonographischen Programm des Architekturschmucks shogunaler Bauten. Das Schema wird 200 Jahre lang beibehalten, jedoch in späterer Zeit durch einen sich um den Schaft windenden Drachen und am Dach durch Drachenköpfe mit anhängenden Glöckchen angereichert.

Mit dem Zusammenbruch des Shogunats und der Auflösung der buddhistischen Tempel zu Beginn der Meiji-Zeit war auch das Schicksal der Bronzelaternen besiegelt. Sie wurden verkauft, eingeschmolzen oder immer wieder durch Krieg oder Erdbeben zerstört. Die damalig in Japan residierenden Ausländer oder Reisenden erwarben sie, um sie in ihren heimatlichen Gärten aufzustellen. Hochrangige verdienstvolle Ausländer erhielten sie als Geschenk, wie hier Erwin Bälz. Ersichtlich aus der Schenkung einer Steinlaterne als Zeichen der Freundschaft an die Vereinigten Staaten im Jahr 1954, reichte diese Sitte bis in das 20. Jahrhundert. Auch Konrad Adenauer wurde bei seiner Japan-Reise 1960 von der japanischen Regierung mit einem Paar kleiner Bronzelaternen bedacht, das heute im Garten der Adenauer-Villa in Rhöndorf steht.

Provenienz

Privatsammlung, Stuttgart, laut Einlieferer Geschenk an Erwin Bälz (1849-1913), Hofarzt während seiner Zeit in Japan von 1876 bis 1905

Lot 293 Dα

Schätzpreis:
4.000 € - 6.000 €

Ergebnis:
47.880 €