Lot 423 D α

Paar Girandolen getragen von Vestalinnen

Auktion 1208 - Übersicht Köln
17.11.2022, 14:30 - Kunstgewerbe - Skulpturen Bronzen Möbel Teppiche
Schätzpreis: 15.000 € - 35.000 €

Paar Girandolen getragen von Vestalinnen

Feuervergoldete und brünierte Bronze, Marmor "rosso antico". Aus mehreren Teilen gegossen und verschraubt. Zwei vollplastisch gegossene Frauenfiguren in antikischer Kleidung als Leuchterträger auf Marmorpostamenten. Der Leuchteraufsatz in Form einer Amphore, auf der Schulter aufliegende Rosetten, in vier geschweifte Füllhornarme übergehend. Unter den Tüllen reliefierte Maskarons. Auf dem Postament vergoldete Reliefauflagen: Frontal eine Opferszene, seitlich Kränze. H 87 cm.
Paris, Pierre-Victor Ledure, zugeschrieben, um 1810 - 15.

Die beiden äußerst repräsentativen Kandelaber werden dem Bronzier Pierre-Victor Ledure (1783 - nach 1840) zugeschrieben. Ledure erlernte den Bronzeguss bei André-Antoine Ravrio (1759 - 1814). Da es ihm nicht gelang, Aufträge vom "Mobilier impérial" zu erlangen, orientierte er sich ins Ausland, belieferte die Höfe des Großherzogs der Toskana und den fränkischen Adel.
Die beiden Leuchter flankierten ehemals vermutlich die Türen einer Enfilade. Obwohl die Figuren vollplastisch gearbeitet sind, ist der Leuchtkörper nur dreiseitig gerichtet. Die Kandelaber wurden mit Sicherheit an einer prominenten Stelle positioniert, möglicherweise vor den privaten Gemächern eines Landesherrn. In der Antike hatte die vestalische Priesterin die Aufgabe, das Feuer im Tempel der Vesta zu hüten, das niemals ausgehen durfte. Die Vestalin des Neoklassizismus ist zwar freizügiger bekleidet, aber ihre frontale und ruhige Haltung mutet immer noch sehr feierlich an.

Literaturhinweise

Vgl. Ottomeyer/Pröschel, Vergoldete Bronzen, Bd. I, München 1986, Abb. 5.17.4, der gleiche Kandelaber im Schloss Ellingen.