Lot 441 D α

Paneel mit Hirschhatzmotiv

Auktion 1208 - Übersicht Köln
17.11.2022, 14:30 - Kunstgewerbe - Skulpturen Bronzen Möbel Teppiche
Schätzpreis: 6.000 € - 8.000 €

Paneel mit Hirschhatzmotiv

Flachcommesso mit Marketerie aus verschiedenfarbigen Steinen und Achat in schwarzem Marmor, teilebonisiertes Weichholz. Insektenschäden am Rahmen. Rahmen H 35, B 50 cm.
Florenz, Ende 17./ 18. Jh.

Seit der Antike sind Menschen fasziniert von Farb- und Edelsteinen. Tief in der Erde verborgen und häufig umhüllt von einem unprätentiösen Erdmantel, müssen sie mühevoll zu Tage gebracht und freigelegt werden, um ihren Zauber zu entfalten. In den italienischen Steinbrüchen wurden seit der Antike außergewöhnliche Marmors gefördert. Aber im 16. Jahrhundert kamen durch die Zunahme des See- und Landhandels zusätzlich immer mehr kostbare Steine nach Italien. Leidenschaftliche Steinsammler waren Cosimo I de' Medici und sein Sohn Francesco. Großherzog Ferdinando I de' Medici (1549 - 1609) entschloss sich schließlich, eine erste steinverarbeitende Großwerkstatt zu gründen, die Galleria dei Lavori in Pietre Dure, die 1588 ihre Arbeit aufnahm. Der Großherzog stellte einheimische Handwerker ein, die sich darauf spezialisierten, antike, in Stein gehauene Objekte zu restaurieren und zeitgenössische Intarsienbilder aus farbigen Steinen anzufertigen, die im neuen Geschmack Möbel und Vertäfelungen zieren sollten.
In dieser Werkstatt ausgebildete Künstler bereisten ganz Europa, um für andere adelige oder königliche Haushalte zu arbeiten. Nordeuropäer besuchten auf der Grand Tour die Galleria dei Lavori, kauften und orderten Objekte mit und aus Pietre dure. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Werkstatt in Opificio delle Pietre Dure umbenannt und existiert bis heute als staatlich geförderte Einrichtung.

Literaturhinweise

Vgl. Giusti, Pietre Dure Bilder aus Stein, München 2005, S. 168 f., Abbildung der Front des Kabinettschranks im Detroit Institute of Arts Museum, mit gleichen Einzeltieren, Inv. 1994.77.