Georges Seurat - Dans la rue

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Georges Seurat

Dans la rue
1882/1883

Öl auf Holz. 15,6 x 24,7 cm. Gerahmt. Unbezeichnet. Rückseitig mit Bleistift bezeichnet "Dans la rue" und "No 51 Collection Mirbeau, dispersé du Durand-Ruel en Février 1919" sowie auf einem Etikett bezeichnet "NO. 56860 PICTURE". - In guter, farbfrischer Erhaltung.

Die farblich reizvolle Studie „Dans la rue“ ist eine der wenigen reinen Stadtlandschaften von Georges Seurat. Das bei den Impressionisten so beliebte Sujet machte das elegante Bürgertum in der von Georges-Eugène Haussmann modernisierten Stadt Paris zum alleinigen Bildthema. Von einem leicht erhöhten Standort, vielleicht aus dem Atelier am belebten Boulevard de Clichy, nahm Seurat die über die Straße flanierenden Passanten in den Blick. Mit dem berühmten Stadtbild „Regen in Paris“ (1877) von dem französischen Stadtmaler Gustave Caillebotte vergleichbar, entwarf auch Seurat zwei voneinander differenzierte Bildräume, links ein breites Trottoir mit sechs teils kühn angeschnittenen Passanten und rechts das Erdgeschoss eines Geschäfts mit großem Schaufenster. Im Schatten einer langen Markise steht lässig ein Mann in langem Mantel und Hut. Für die Figuren griff Seurat auf seine zahlreichen Bleistiftskizzen männlicher und weiblicher Flaneure zurück, die er von 1882 bis 1884 meist nur als Silhouetten anlegte. Farblich bewegt sich die Studie in einer Skala von Blau- und hellen Brauntönen. Gekonnt markierte Seurat einen Hemdsärmel mit vier Pinselzügen reinen Deckweißes.
Georges Seurat gilt als der eigentliche Erfinder der pointillistischen Maltechnik, bei der die reine Farbe in meist winzigen Punkten aufgetragen wird und sich erst auf Entfernung im Auge des Betrachters mischt. Bei den kleinformatigen Ölstudien wie dieser, auch „Croquetons“ genannt, war diese Technik noch nicht ausgereift. Vielmehr dienten ihm diese Studien zur Erprobung des kleinteiligen Farbauftrags und zur Vorbereitung für so ambitionierte Werke wie „Un dimanche après-midi à la Grande Jatte“ von 1884-1886.

Werkverzeichnis

Dorra/Rewald 59

Provenienz

Studio des Künstlers (Nachlass-Verzeichnis Nr. 26); Léon Appert (Schwager des Künstlers), Paris (bis 1900); Octave Mirbeau, Paris; Galerie Durand-Ruel, Paris, Vente Mirbeau, 24. Februar 1919, Lot 51; John Quinn, New York (bis 1926); Madame Nicol, Paris; Alfred Daber, Paris; William Weinberg, Scarsdale; Sotheby's London, Weinberg Sale, 10. Juli 1957, Lot 40; T.P. Grange, London; Sammlung Georges Page, Feldbach; Salis & Vertes (2003), Salzburg; Sammlung Corboud, Dauerleihgabe im Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud, Köln

Literaturhinweise

Georges Coquiot, Georges Seurat, Paris 1924, S. 247; John Quinn Collection of Paintings, Watercolors, Drawings and Sculpture, Katalog, New York 1926, S. 15 (?); César M. Hauke, Seurat et son oeuvre, 2 Bde., Paris 1961, Bd. 1, Nr. 69, Abb. S. 41; Pierre Courthion, Georges Seurat, Paris/New York 1969, S. 84; Michael Zimmermann, Seurat. Sein Werk und die kunsttheoretische Debatte seiner Zeit, Weinheim 1991, S. 126, Farbabb. 234; Die Impressionisten und ihre Nachfolger. Die Bilder der Fondation Corboud (Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud Köln, Bildhefte zur Sammlung), bearb. von Barbara Schaefer, Köln 2006, S. 32, 123, Farbabb. 22.

Ausstellung

Paris 1900 (La Revue Blanche), Georges Seurat, Kat. Nr. 19; Chicago/New York 1958 (Art Institute of Chicago/Museum of Modern Art), Seurat, Kat. Nr. 60 (rückseitig mit einem Klebezettel "Museum of Modern Art, Loan, 58.252 Grange"); Paris 1967 (Musée de l'Orangerie), Meisterwerke der Schweizer Sammlungen von Manet bis Picasso, Kat. Nr. 59, mit Abb.; Salzburg 2003 (Salis & Vertes), Bouquet d'Art. Festspielausstellung 2003, Kat. Nr. 1

Lot 32 Dα

Schätzpreis:
150.000 € - 200.000 €

Ergebnis:
245.700 €