Alexej von Jawlensky - Blumen im Krug

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Alexej von Jawlensky

Blumen im Krug
1915

Öl über Bleistift auf leinenstrukturiertem Papier, auf Leinwand aufgezogen. 52,3 x 35 cm (53 x 36 cm). Gerahmt. Oben links blau signiert und datiert 'A. Jawlensky 15'. - In gutem farbfrischen Zustand, mit wenigen winzigen Retuschen.

Jawlensky hat während seiner gesamten Schaffenszeit immer wieder Stillleben gemalt. Anfangs angeregt von Paul Cezanne, später in Orientierung an Henri Matisse, fand er um 1911/1912 farblich und kompositorisch zu seinem eigenen Stil. Meist waren es Früchte, Krüge, Statuetten und immer wieder Blumen, die er vor stark gemusterten Wandbehängen arrangierte und mit leuchtenden, von schwarzen Konturen eingefassten Farben malte. Bei den vorliegenden „Blumen im Krug“ verzichtete er auf die Umrisslinien und trug die Farben – seinen „Variationen“ vergleichbar – dünnflüssig und mit breitem Pinsel flockig und weich auf. Die Farben Rot, Violett, Gelb, Blau und Grün umschreiben nur summarisch die Blüten und die bauchige Vase. In den äußeren Bereichen verschwimmen die Grenzen zwischen Blumen und Hintergrund, so dass einzelne Partien bei näherem Hinsehen abstrakt erscheinen. Zur Bedeutung der Blumenstillleben sind Jawlenskys Lebenserinnerungen hilfreich, in denen er gegen Ende seines Schaffens schrieb: „Als ich etwas Erleichterung in meinen Händen fühlte, malte ich gleich große Bilder, nur Stillleben, meistens Blumen. Sie sind sehr schön in den Farben und haben großen Erfolg bei den Menschen.“ (zit. nach: Ausst. Kat. München/Baden-Baden 1983, S. 332).
Die heiteren Farben des Blumenstilllebens lassen auf eine friedlich-ruhige Zeit im Leben Jawlenskys schließen. Doch das täuscht – gemeinsam mit Helene Nesnakomoff, der Mutter seines inzwischen zwölf Jahre alten Sohnes, und Marianne von Werefkin musste er nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 als russischer Staatsbürger Deutschland binnen 48 Stunden verlassen.

Werkverzeichnis

M. Jawlensky/Pieroni-Jawlensky/A. Jawlensky Bianconi Bd. II, Nr. 651 mit Abb. S. 56

Zertifikat

Wir danken Angelica Jawlensky Bianconi, Muralto, für freundliche ergänzende Informationen.

Provenienz

Selected Artists Galleries (SAG), New York (mit Etikett auf dem Keilrahmen, dort als "Verschiedene Blumen 1915" bezeichnet); Studio Ellen Forest, Roskin, Amsterdam; Willem van Leusden, Amsterdam; Mrs. Selma van Cornewal, Maarssen; Christie's London, Auktion 9. Juli 1965, Lot 93; Privatsammlung New York; Math. Lempertz’sche Kunstversteigerung 497, Köln, 1967, Lot 378; Math. Lempertz’sche Kunstversteigerung 460, Köln, 24. Nov.1972, Lot 460; Privatsammlung Rheinland

Literaturhinweise

Angelica Jawlensky Bianconi, La raffigurazione del Dio visibile, in: Ausst. Kat. Alexej von Jawlensky, Mailand 1995, Abb. S. 22

Lot 69 Dα

Schätzpreis:
180.000 € - 220.000 €