Alexej von Jawlensky - Kopf

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Alexej von Jawlensky

Kopf
Um 1913

Öl auf Leinwand. 38,3 x 30,5 cm. Gerahmt. Unten links schwarz monogrammiert 'A.J.'. Rückseitig auf dem Keilrahmen links oben auf einem Etikett bezeichnet "Nr. 99, Jawlensky, 'Frauenportrait'". - An den Bildrändern und im Bereich des Hintergrunds leicht berieben, sonst in guter Erhaltung.

Im Jahr 1913, im Jahr der Entstehung unseres „Kopfes“, war die stilistische Entwicklung Jawlenskys so weit vorangeschritten, dass er alles Überflüssige und Dekorative wegließ, um mittels klarer Formen und kontrastierender Farben nur das Wesentliche auszudrücken. In seinen Lebenserinnerungen berichtet er von dieser Schaffenszeit: „Dies war eine Wendung in meiner Kunst. Und bis 1914, gerade vor dem Krieg, habe ich in diesen Jahren meine stärksten Arbeiten […] gemalt.“ (zit. nach: Angelica Jawlensky, Der Weg zur Abstraktion, in: Ausst. Kat. Locarno 1989, S. 100). Jawlensky war sich der Bedeutung seiner Köpfe aus dieser Zeit offenbar bewusst. Unser weiblicher „Kopf“ beinhaltet alle Merkmale dieser Jahre: Die Formen des schmalen Gesichts und des Oberkörpers werden durch breite, schwarze Konturen zusammengehalten, und die Farben Rot, Grün und ein ins Blau tendierendes Schwarz steigern sich gegenseitig. Die übergroßen Augen mit den schwarzen Pupillen nehmen zwar nichts in den Blick, ziehen uns aber magisch in ihren Bann. Im Unterschied zu den späteren, noch weiter abstrahierten Köpfen war Jawlensky hier aber noch um die Ausarbeitung plastischer Details bemüht, etwa bei der Schattenbildung am Hals und um die Augen.
Die Kunst Jawlenskys war – bei aller Nähe zur Malerei des ‚Blauen Reiter‘ – von Beginn an geprägt von einer höchst individuellen Idee der Darstellung. Obwohl er im Sinne des Realismus, zeitweise angeleitet von dem russischen Maler des 19. Jahrhunderts Ilja Repin, ausgebildet worden war, interessierte er sie nie für das Detail oder das Narrative eines Themas, sondern immer für den Charakter und das Grundsätzliche eines Bildgegenstandes oder einer Person. Seinen Malerfreunden Gabriele Münter und Wassily Kandinsky vergleichbar, verfolgte er in diesem Sinne auch nur wenige Bildthemen – die Landschaft, das Stillleben und vor allem das Bild des Menschen.

Werkverzeichnis

M. Jawlensky/Pieroni-Jawlensky/A. Jawlensky Bianconi Bd. I, Nr. 596 mit Abb. S. 461

Zertifikat

Wir danken Angelica Jawlensky Bianconi, Muralto, für freundliche ergänzende Informationen.

Provenienz

Galerie Dr. Werner Rusche, Köln (1955/1956); Privatsammlung Düsseldorf; Hauswedell & Nolte, Auktion 235, 5. Juni 1980, Lot 588; Privatsammlung Rheinland

Literaturhinweise

Clemens Weiler, Alexej Jawlensky, Köln 1959, Nr. 72 (dort datiert 1910)

Ausstellung

Köln 1955/1956 (Galerie Dr. Werner Rusche), Alexej von Jawlensky - Bilder der Jahre 1905-1913, Kat. Nr. 3

Lot 71 Dα

Schätzpreis:
300.000 € - 400.000 €