Lot 25 D

Ernst Wilhelm Nay - Figurale in Hellblau

Auktion 1256 - Übersicht Köln
29.11.2024, 18:00 - Moderne und Zeitgenössische Kunst - Evening Sale
Schätzpreis: 250.000 €
Ergebnis: 315.000 € (inkl. Aufgeld)

Ernst Wilhelm Nay

Figurale in Hellblau
1950

Öl auf Leinwand. 80,2 x 100,4 cm. Gerahmt. Unten rechts schwarz signiert und datiert 'Nay. 50.'. Rückseitig auf dem Keilrahmen oben schwarz signiert, betitelt und datiert 'NAY - FIGURALE IN HELLBLAU 1950'. - In sehr schöner, farbfrischer Erhaltung, mit unauffälliger Randbereibung links.

Das großformatige Gemälde „Figurale in Hellblau“ von Ernst Wilhelm Nay gehört in die kurze, aber wichtige Werkphase der „Fugalen Bilder“ von 1949-1951. Für den Künstler ist es eine Zeit der künstlerischen Klärung und Ordnung seiner Bildauffassung.
Die stilistische Neuorientierung wird stets mit Nays Arbeit an einer Serie von Lithografien in Verbindung gebracht. Die ungewohnte Drucktechnik setzte voraus, dass Nay sein Bildvokabular in die einzelnen Bestandteile auflöste und damit seine Farb- und Formpläne offenlegte. Dies wiederum führte zur Erkenntnis, seine Kunst von nun an ganz aus der Farbe heraus zu gestalten: „Farbe ist für mich Gestaltwert“, schrieb Nay 1952. „Ich gebe der Farbe nicht nur den Vorrang vor anderen bildnerischen Mitteln, sondern das gesamte bildnerische Tun ist allein von der farbigen Gestaltung her bestimmt.“ (zit. nach: E. W. Nay. Retrospektive, Ausst. Kat. Hamburg/Wiesbaden/Duisburg 2022/23, S. 151). Wie es das Gemälde „Figurale in Hellblau“ zeigt, zeichnen sich die neuen Werke durch eine klare Strukturierung der Bildfläche in gezackte, geschwungene oder blattförmige Formen aus, die von schwarzen Konturen oder Punkten begleitet werden. Die scheinbare Tiefenstaffelung und diagonale Linienführung verleihen dem Gemälde Dynamik und Rhythmus. Die neu gewonnene Ordnung seiner Bilder entlehnte Nay dem musiktheoretischen Stilmittel der Fuge, also einem Kompositionsprinzip polyphoner Mehrstimmigkeit. Analog zur Musik versuchte Nay in seinen Bildern die Farben nach Klangqualitäten und Farbakkorden zu ordnen und dadurch eine visuelle Dynamik zu entwickeln.

Werkverzeichnis

Scheibler 525

Provenienz

Hanna Bekker vom Rath, Hofheim/Taunus; Galerie Orangerie-Reinz, Köln; Kunsthaus Lempertz, Köln, Auktion 744, 6. Juni 1997, Lot 350; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Ausstellung

München 1950 (Haus der Kunst), Neue Rheinische Sezession Düsseldorf, Kat. Nr. 148; Köln 1984 (Galerie Orangerie-Reinz), 25 Jahre Galerie Orangerie-Reinz 1959-1984, S. 53, mit Farbabb.