Lot 74 D

Gerhard Marcks - Mädchen mit großem Tuch

Auktion 1268 - Übersicht Köln
30.05.2025, 18:00 - Evening Sale - Moderne und Zeitgenössische Kunst
Schätzpreis: 40.000 € - 60.000 €
Ergebnis: 65.520 € (inkl. Aufgeld)

Gerhard Marcks

Mädchen mit großem Tuch
1936

Bronze. Höhe 102 cm. Auf der Plinthe hinten rechts mit dem Künstlersignum. Rückseitig an der Plinthe nummeriert und mit dem Gießerstempel "RICH. BARTH BERLIN" versehen. Exemplar III. Gipsmodell 1969 vom Künstler überarbeitet. - Mit hellbrauner Patina.

Die Bronzeplastik „Mädchen mit großem Tuch“ von Gerhard Marcks gehört in die Reihe der ab Mitte der 1920er Jahre entstandenen Mädchenbilder, die der bedeutende Bildhauer entweder in Orientierung an klassisch-antiken Vorbildern schuf, oder für die ihm eine seiner Töchter Modell standen. Obwohl in Marcks Werktagebuch für „Gips & Bronze 1935-1969“ (Nr. 170, Archiv Gerhard Marcks-Stiftung, Bremen) als Modell für das „Mädchen mit großem Tuch“ seine Tochter Ute genannt wird, lassen die mädchenhaften Züge der Dargestellten vermuten, dass ihm seine jüngste Tochter Gottliebe (1923-2016) für den Kopf Modell stand.
In einem ausgewogenen Verhältnis von angespannten und ruhenden Elementen konzipierte Marcks eine junge, hochgewachsene Mädchenfigur, die mit beiden Händen ein um die Schultern gelegtes Tuch hält und mit diesem eine reizvolle Verbindung bildet. Das vordergründig zum Abtrocknen, Verhüllen oder Bekleiden dienende Tuch gewinnt bei Marcks eine schützende und die Figur einrahmende Funktion. Vor allem rechts dient es zudem als stabilisierendes Element, wie es bei klassischen Skulpturen ein langer Stab oder ein seitlich postierter Hund sein können. Nachdem Marcks dieses Motiv erstmals 1926 bei der „Schreitenden Frau mit Tuch“ dargestellt hatte, gelang ihm beim „Mädchen mit großem Tuch“ durch das akzentuierte Schrittmotiv eine dynamischere Interpretation des Themas, bei dem die Beine und Arme eine stärkere Bewegung suggerieren. Unsere Plastik ist eine vom Künstler 1969 überarbeitete Fassung, die von der Gießerei Barth, Berlin, angefertigt wurde.

Werkverzeichnis

Rudloff 327; Gerhard Marcks Werktagebuch Gips/Bronze 170

Provenienz

Galerie Ludwig Lange, Berlin; Privatbesitz Berlin

Ausstellung

Vgl. Berlin 1937 (Galerie Buchholz), Gerhard Marcks, Kat. Nr. 9; Bielefeld 1937 (Kunstsalon Fischer), Gerhard Marcks; Berlin (Ost) 1958 (National-Galerie), Gerhard Marcks, Kat. Nr. 20 (Gips); Düsseldorf 1971 (Galerie Vömel), Gerhard Marcks, Kat. Nr. 6 mit Abb.; Berlin 1974 (Galerie Nierendorf), Gerhard Marcks, Kat. Nr. 30 mit Abb.; Berlin/Oldenburg/Heilbronn 1982/1983 (Berlin Museum/Landesmuseum/Städtische Museen), Berliner Kunst von 1770-1930, Kat. Nr. 124, mit Abb. (Gips)