Lot 232 D α

Walter Leistikow - Strandpromenade von Helgoland

Auktion 1272 - Übersicht Berlin
21.06.2025, 11:00 - The Berlin sale
Schätzpreis: 50.000 € - 60.000 €
Ergebnis: 65.520 € (inkl. Aufgeld)

Walter Leistikow

Strandpromenade von Helgoland

Öl auf Leinwand. 77,5 x 152,4 cm.
Signiert und datiert unten links: W. Leistikow 92.

Dieses Gemälde ist eine Wiederentdeckung aus der frühen Schaffensperiode Walter Leistikows: Es zeigt die Düne von Helgoland mit einem eindrucksvollen Blick auf die fernen Buntsandsteinfelsen und die brandende See, deren Farbwerte Leistikow mit großer Sensibilität erfasst. Markante Felsformationen kontrastieren in leuchtenden Farben mit der bewegten dunklen Wasseroberfläche. Während einige Bereiche des Strandbildes im Schatten liegen, sind andere von der Sonne, die durch weiße Wolken scheint, hell beleuchtet. Stilistische Elemente, wie die Brandung, die das Licht der Sonne reflektiert, nicht zuletzt die Kombination von Weiß-, Grün- und Blautönen sind eindeutig vom französischen Impressionismus beeinflusst.
Walter Leistikow war einer der prägendsten Künstler um die Jahrhundertwende in Berlin – und das, obwohl die Berliner Akademie der Künste ihn nach kurzem Studium als talentlos entließ. Er nahm Privatunterricht und besuchte an der Königlichen Akademie der Künste in Berlin das Meisteratelier des norwegischen Landschaftsmalers der Düsseldorfer Schule, Professor Hans Gude. Seine ersten Landschaftsmotive suchte sich Leistikow im Berliner Umland sowie in seiner pommerschen Heimat. Er erkundete die Nord- und Ostseeküste, besuchte Helgoland und vor allem Rügen. Leistikow zählte neben Max Liebermann und Lovis Corinth zu den Mitbegründern der 1892 ins Leben gerufenen „Vereinigung der XI“, die sich lediglich nach der Anzahl ihrer Mitglieder benannte und kein künstlerisches Programm verfolge. 1892/93 übernahm er in Vertretung für Robert Warthmüller das Fach „Malen nach der Natur“ an der Königlichen Kunstschule Berlin.
Diese sommerliche Strandpromenade, ebenfalls 1892 „unter dem künstlerischen Postulat des Naturalismus und der Freiluftmalerei“ entstanden, ist eine „vortreffliche Freilichtstudie, von außerordentlich wahrer Wirkung, in Liebermann’schem Sinne“, wobei sie aus der Sicht von Werner Weisbach „nur noch etwas schwer und ängstlich“ gemalt wurde (Zeitschrift für bildende Kunst, 1902, S. 283). Ungewöhnlich für Leistikow ist die Vielzahl der Staffagefiguren im Vordergrund. Er schildert das rege Freizeitleben am Strand, die Spiele der Kinder und den Müßiggang einzelner Urlauber auf der Badeinsel. Am Horizont sind Dünenbote erkennbar, welche die Badegäste halbwegs trockenen Fußes zur Düne begleiteten. Die dicht aneinandergereihten, hellgrün schimmerndem Badekarren sind Umkleidekabinen, in denen sich Badegäste in die Brandung hinausschieben ließen, um so mühelos und unbeobachtet ins Wasser zu gelangen. Die Beliebtheit Helgolands als Badeinsel wurde unter der deutschen Fahne aufrechterhalten, nachdem am 1. Juli 1890 der Helgoland-Sansibar-Vertrag in Kraft getreten war und Großbritannien dem Deutschen Reich die Insel Helgoland in der Nordsee überlassen hatte.
Bereits im Entstehungsjahr 1892 wurde die großformatige Leinwand in der „LXIII. Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin“ im Landes-Ausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof präsentiert und zum Verkauf angeboten. Ein Etikett auf dem Keilrahmen deutet darauf hin, dass das Ölbild im Kunst-Verein Bremen zu sehen war, jedoch konnte bislang keine genauere Datierung erfolgen. Erst 1940 tauchte das Gemälde im Düsseldorfer Kunsthandel auf. Seitdem ist es im Besitz einer Privatsammlung in Nordrhein-Westfalen.

Provenienz

Galerie Volmer, Düsseldorf, 1940. – Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen, am 31.10.1940 (lt. Rechnung) vom Vorgenannten erworben und seither im Erbgang in Familienbesitz.

Literaturhinweise

LXIII. Ausstellung der K. Akademie der Künste zu Berlin, Ausst. Kat. Landes-Ausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, 1892, S. 39, Nr. 693 (als "Auf der Düne von Helgoland", verkäuflich). - Weisbach: Walter Leistikow, Zeitschrift für bildende Kunst, Bd. 37 (N.F. 13), 1902, S. 281-294, Abb. S. 283 (als "Düne von Helgoland" und "Strandpromenade von Helgoland"). – Zum Bildmotiv Helgoland vgl. Knupp, Walter Leistikow (1865 – 1908). Helgoland, 1890, in: Altonaer Museum in Hamburg 1974 – 1975, S. 228. - Ditteney, Skandinavier in Berlin. Untersuchung zur Malerei von Lovis Corinth, Akseli Gallen-Kallela, Walter Leistikow, Max Liebermann, Edvard Munch und Anders Zorn anhand ihrer Ausstellungstätigkeit in Berlin zwischen 1892 und 1910, Diss. Albert-Ludwigs-Univ. Freiburg i. Br. 2009, S. 186. - Zur Galerie Volmer vgl. N. Oberste-Hetbleck (Hg.): Zur Geschichte des Düsseldorfer Kunsthandels, Düsseldorf 2014, S. 45f.

Ausstellung

LXIII. Ausstellung der K. Akademie der Künste zu Berlin, Landes-Ausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, 15.5.-31.7.1892, Saal 8, Nr. 693 (als "Auf der Düne von Helgoland", verkäuflich). - Kunst-Verein Bremen, (verso Papieretikett: "Kunst- Verein Bremen. KB 662") o.J.