Walter Leistikow
Grunewaldsee
Um 1895-1905
Öl auf Leinwand. 53 x 79,5 cm.
Signiert unten links: Leistikow.
Der Grunewaldsee im märkischen Kiefernwald ist eines der häufigsten Themen im Werk des Sezessionsmalers Walter Leistikow. Vor dem Hintergrund einer um 1900 wiederauflebenden Landschaftsmalerei sucht er seine Motive im Berliner Umland und auf Reisen. Ausgebildet bei dem norwegischen Maler Hans Fredrik Gude (1825 – 1903), ist er zunächst dem Jugendstil nordischer Prägung verpflichtet. Erst ab 1905 hellt sich seine Palette auf, und sein Farbauftrag wird freier.
Die vorliegenden Darstellungen des Grunewaldsees fügen sich zu einem Panorama zusammen, ohne dass es sich um ein Gemäldepaar handelt. In der Möglichkeit ihrer Vereinigung zeigt sich vielmehr die Konsistenz der um 1900 entstehenden Kompositionen Leistikows. Wasser, Wald und Himmel schichten sich bildparallel übereinander. Die breite Wasserfläche nimmt das gesamte Farbspektrum der sie umgebenden Elemente auf: das Dunkel des dichten Kiefernwaldes, das Grün des Laubes, die in orangefarbenes Licht getauchten ufernahen Baumreihen, das schimmernde Weiß der Wolken. Hier ist die Wasseroberfläche ein glattes Spiegelbild, dort kräuselt sie sich; sanft vibrieren die Reflexionen der Kiefernstämme. Es sind Landschaften, die sich ganz den Formen und Farben hingeben, die über ihre topographische Bestimmbarkeit hinaus als Ausdruck einer Stimmung wiedererkannt werden. Die starken Kontraste der Farbflächen, die deutlichen Konturen und der in der Landschaftsmalerei bis dahin unübliche Anschnitt von Bäumen, Wasserfläche und Himmel erinnern an japanische Farbholzschnitte, die Leistikow während seines Paris Aufenthalts 1893 für sich entdeckte.
"Es ist sein unvergängliches Verdienst", urteilt Max Liebermann, "den Stil gefunden zu haben, für die Darstellung der melancholischen Reize der Umgebung Berlins. Die Seen des Grunewalds oder an der Oberspree sehen wir mit seinen Augen; er hat uns ihre Schönheiten sehen gelehrt." (zit. aus: Nationalgalerie Berlin. Das XX. Jahrhundert, Leipzig 2001, S. 228).
Provenienz
Privatbesitz Potsdam.