Verdure "forêt sauvage à feuilles de choux"
Wirkerei in gefärbter Wolle und Seide, mit Leinen hinterfangen. Tapisserie mit gestaffelter Landschaft. Im Vordergrund zwischen bizarren Pflanzen mehrere Drachen, ein Phönix, ein Hirsch, Eichhörnchen, ein Wolf mit Schaf im Maul und ein Elefant unter Palmen. Im Hintergrund bergige Landschaft mit Architektur. Auf der Bordüre Blumen- und Früchtekranz. Ältere Reparaturen über Insektenschäden, Bordüre wieder angefügt. H 312, B 398 cm.
Aubusson, Ateliers de la Marche, zugeschrieben, zweite Hälfte 16. Jh.
Die Umrisse einer mittelalterlichen Ortschaft sind in eine hügelige Landschaft gebettet. Der Vordergrund wird von dichtem Laubwerk beherrscht, in dem sich eine Vielzahl heimischer, exotischer und mythologischer Tiere verbirgt. Die originale Bordüre besteht aus einem auf braunen Fond aufgelegten Blattkranz, in den Früchte und Blumen eingebunden sind; mehrere Vögel und Kaninchen bereichern das Blattwerk.
Diese Verdüren mit Aristolochia- oder Kohlblättern wurden ab den 1520er Jahren hergestellt. Sie erfreuten sich bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts großer Beliebtheit als Raumschmuck und umfassten in der Regel die volle Höhe und Breite einer Wand. Verschiedene Pflanzenarten mit großen, gekräuselten Blättern bilden in den Tapisserien eine üppige Vegetation, die von der vollen Bandbreite des mittelalterlichen Bestiariums bevölkert wird. Sowohl in Frankreich als auch in Flandern wurden die Verdüren in unterschiedlichen Qualitäten produziert. Neben Aubusson zählten Brüssel, Grammont/Geraardsbergen, Enghien/Edingen und Audenarde/Oudenaarde zu den wichtigen Herstellungszentren.
Louis De Poortere (1884 – 1966), Industrieller aus Kortrijk in Westflandern, war einer der bedeutendsten Unternehmer der belgischen Textilindustrie im 20. Jahrhundert. Seine Vorfahren betrieben seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Textilfärberei. Er gründete 1929 sein eigenes Unternehmen für Teppiche und Möbelstoffe und gewann schnell eine internationale Kundschaft. Nach seinem Tod wurde das Unternehmen von seinen Söhnen Carlo (1917 – 2002), Jean (1916 – 2004), Franck (1919 – 2004) und Pierre (1921 – 2006) übernommen und sehr erfolgreich weitergeführt.
Provenienz
Louis De Poortere (1884 – 1966).
Belgischer Privatbesitz.
Literaturhinweise
Vgl. Bertrand/P. Chevalier/D. Chevalier/Thierry, Les Tapisseries d'Aubusson et de Felletin, Paris 1988, S. 27.
Vgl. Lempertz Köln, Auktion 845 am 3. Oktober 2003, Lot 749.
Vgl. Christie's Paris, Auktion 21084, 10. - 13. November 2022, Lot 30.