Lot 670 D α

Teeschatulle von Abraham Roentgen

Auktion 1275 - Übersicht Köln
21.11.2025, 14:00 - Kunstkammerobjekte Möbel
Schätzpreis: 4.000 € - 5.000 €
Ergebnis: 5.040 € (inkl. Aufgeld)

Teeschatulle von Abraham Roentgen

Mahagoni auf Mahagoni massiv, Messingguss und Messingblech, Zinn, geschmiedetes Eisenschloss. Dreiseitig geschwungene Kastenform mit Klappdeckel und oben befestigtem Bügelgriff, auf gedrückten Kugelfüßen. Die Kanten betont durch Messingbleche. Auf dem Deckel eingelegt eine kleine Messingkartusche mit gravierter Blüte. Innen drei Fächer, gefüllt mit drei Dosen. Mit heruntergeklapptem Bügel H 13,5, B 19,5, T 13,8 cm.
Neuwied, um 1755 - 1760.

Die Produktion von Schatullen gehörte vermutlich schon seit der Gründung der Herrnhaager Werkstatt 1742 zu Abraham Roentgens täglicher Arbeit. Den Typus des elegant mit Edelhölzern furnierten Kästchens hatte er auf seinen Reisen in die Niederlande und nach London kennengelernt. Die Engländer pflegten den teuren, aus Indien und China importierten Tee in ähnlichen, innen verzinkten und abschließbaren Behältern aufzubewahren. Sie wurden caddy set genannt, ein Wort, das sich auf die chinesische Maßeinheit „kati“ bezog. Abraham Roentgen modifizierte Aussehen und Funktion des kolonialen Kästchens und erarbeitete sich damit gewissermaßen in seinem kleinsten Produkt schon ein sehr eigenes und auffälliges Profil.

Heute sind noch ungefähr 100 dieser preziösen Schatullen erhalten, die meisten allerdings im Format kleiner Teekästchen. Bis zur Hamburger Lotterie 1769 war ihr Erwerb ausschließlich der hochadligen Clientèle Abraham Roentgens vorbehalten. Erst die ab Ende der 1760er Jahre erhobene Teesteuer und auch der Geschmackswandel zum Klassizismus ließen die Nachfrage nach den aufwändigen Schatullen sinken.