Lot 1147 D α

Friedrich Nerly - Die Piazzetta in Venedig bei Mondschein

Auktion 1276 - Übersicht Köln
22.11.2025, 11:00 - Alte Kunst und 19. Jahrhundert Teil I
Schätzpreis: 20.000 € - 30.000 €
Ergebnis: 60.480 € (inkl. Aufgeld)

Friedrich Nerly

Die Piazzetta in Venedig bei Mondschein

Öl auf Leinwand. 40 x 30 cm.
Signiert unten rechts: Nerly.

Dieses Gemälde stammt aus der Sammlung Giovanni Leonardo Frizzonis (1806–1849), dem Vater von Gustavo Frizzoni (1840–1919), renommierter Kunstkenner, Biograf und Mitarbeiter von Giovanni Morelli (1816–1891), einem der Erfinder der Zuschreibungsmethode in der Kunstgeschichte. Das Werk befand sich bereits vor 1889 in der Villa Frizzoni in Crella am Comer See, wo es in einem Fotoalbum dokumentiert ist: Unter dem Foto der Leinwand befindet sich die handschriftliche Notiz 11. September 89 (Venedig) Crella. Die Sammlung von Giovanni Leonardo und dessen Frau Clementina Vittoria Reichmann (1815-1907) umfasste etwa fünfzig Werke bedeutender Meister, insbesondere aus der lombardisch-venezianischen Renaissance, mit nur wenigen Werken aus dem 19. Jahrhundert (Piccolo 2025).
Friedrich Nerly stand in direktem Kontakt mit der Familie Frizzoni: Er hatte um 1836 das Porträt von Giovanni Leonardos Frau Clementina gemalt, mit der Sommerresidenz der Frizzonis in Colle dei Pasta in Bergamo im Hintergrund (Anderson 2019, op. cit., S. 219, 228, Abb. 10), sowie zwei Ansichten von Girgenti und Palermo, wahrscheinlich eine Erinnerung an seine abenteuerliche Hochzeitsreise nach Sizilien im Jahr 1834 (Degl'Innocenti 2001, S. 380). Der Kontakt zwischen dem Maler und der Familie Frizzoni kam durch Karl Friedrich von Rumohr (1785-1843) zustande, der einen erheblichen Einfluss auf die Sammelleidenschaft der Familie Frizzoni hatte. Von Rumohr hatte Nerly, damals ein 16-jähriger angehender Künstler, 1827 im Rahmen der Leitung der Hamburger Kunstverein kennengelernt. Im folgenden Jahr begleitete ihn der Künstler auf seine dritte Italienreise; 1829 besuchten sie auch Bergamo und kehrten 1837 zusammen mit Giovanni Leonardo Frizzoni nach Deutschland zurück (Battezzati 2009, op. cit., S. 16–17). Nach dem Tod Giovanni Leonardos (1849) und Clementinas (1907) verblieb das Werk im Besitz der Familie der Erben. Dieses um 1835 gemalte Ansicht der Piazzetta in Vendig ist daher eine wichtige Entdeckung, die die Verbindung zwischen dem deutschen Maler und einer der bedeutendsten italienischen Sammlerfamilien des 19. und 20. Jahrhunderts belegt.
Das Werk ist in Nerlys Verzeichnis von 1846 gelistet und lässt sich in das Jahr 1838 datieren (vgl. Österreichische Blätter für Literatur und Kunst, III. Jahrgang, Nr. 54 (Wien, 5. Mai 1846), S. 423 f. sowie Nr. 55 (Wien 7. Mai 1846), S. 427–429).

Wir danken Dr. Dorothee Hansen und Dr. Maren Hüppe für wichtige Informationen zu diesem Werk.

Provenienz

Slg. Frizzoni, Bergamo / Varese. - Italienische Privatsammlung.

Literaturhinweise

M. Degl’Innocenti: Una famiglia di collezionisti a Bergamo, in R. Cordani (Hrsg.),unter Mitarbeit von A. Zavaglia: Lombardia, l’arte, la bellezza, le città. I Tesori da riscoprire, Mailand 2001, S. 380-381. - C. Battezzati: Carl Friedrich von Rumohr e l’arte nell’Italia settentrionale, Concorso, (III) 2009, S. 6-23. - J. Anderson: La vita di Giovanni Morelli, Mailand 2019. - O. Piccolo: La collezione di Giovanni Leonardo Frizzoni nell’inventario del 1849, in: Scritti in onore di Francesco Rossi e Alessandro Rovetta, Mailand 2025 [in Vorbereitung].