Andy Warhol
Beethoven - 29/60 (+15 A.P. +10 P.P. +20)
1987
4 Farbserigraphien auf Lenox Museum Board. Je 101,6 x 101,6 cm. Einzeln unter Glas gerahmt. Rückseitig jeweils mit dem Stempel "CERTIFICATE OF AUTHENTICITY", dieser vom Nachlassverwalter, Herausgeber und Drucker handschriftlich autorisiert sowie nummeriert. Exemplar 29/60 (+15 A.P. +10 P.P. +20). - Mit leichten Altersspuren.
Mit der vierteiligen Serie der Farbserigraphien „Beethoven“ widmet sich Andy Warhol einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Musikgeschichte: Ludwig van Beethoven (1770–1827). Entstanden im Jahr 1987, dem Todesjahr des Künstlers, zählt sie zu seinen letzten großen Werkkomplexen. Die hier vollständig präsentierte Serie basiert auf dem bekannten Beethoven-Porträt von Joseph Karl Stieler aus dem Jahr 1820, das den Komponisten in einem Moment höchster Konzentration zeigt – mit entschlossenem Blick und genialisch wildem Haar, vertieft in die Arbeit an seiner „Missa solemnis“. Warhol betont Bildelemente wie Gesicht, Hände und Halstuch des Komponisten durch farbige Flächen in vier unterschiedlichen Kombinationen, die sich kontrastreich vom dunklen Hintergrund und dem Morgenmantel abheben. Die Komposition wird durch klar abgesetzte Konturlinien strukturiert. Anders als in früheren Porträts arbeitet Warhol hier mit einer collagenhaften Überlagerung: Er kombiniert das Bildnis Beethovens mit einem Ausschnitt der handschriftlichen Partitur der Klaviersonate Nr. 14, der sogenannten „Mondscheinsonate“, die sich über das Bild legt und dabei Gesicht und Hände des Komponisten umrahmt.
Das „Beethoven“-Portfolio entstand zum 160. Todesjahr Beethovens als Auftragsarbeit für den Bonner Galeristen Hermann Wünsche (1941–1993), einen der frühesten Wegbereiter Warhols in Deutschland. Sie reiht sich ein in Warhols Porträts historischer Persönlichkeiten wie „Goethe“ oder „König Friedrich II. von Preußen“, für die er auf kunsthistorische Vorlagen zurückgriff. Durch die Integration Beethovens in das Werk des amerikanischen Star-Künstlers [...] wird der Komponist in eine Reihe mit den Superstars der Medien-Kunst-Welt des 20. Jahrhunderts gesetzt. Warhols Idee, dass künstlerisches Engagement aus der Welt der Galerien und Museen hinauswirken und in die von Massenmedien bestimmte moderne Kultur vordringen sollte, findet hier ihre Anwendung auf einen Komponisten der Vergangenheit, der so retrospektiv zu einer Art Pop-Star wurde.“ (Silke Bettermann, Beethoven im Bild, Die Darstellung des Komponisten in der bildenden Kunst vom 18. bis zum 21. Jahrhundert, Bonn 2012, S. 383).
Werkverzeichnis
Frayda Feldman, Jörg Schellmann, Claudia Defendi, Andy Warhol Prints, A Catalogue Raisonné 1962-1987, New York 2003, WVZ-Nr.II 390-393
Provenienz
Galerie Hermann Wünsche, Bonn (1987); Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen