Lot 12 D α

Francesco di Lorenzo Rosselli - Auferstehung Christi

Auktion 1278 - Übersicht Köln
04.12.2025, 18:00 - 50 Lots - My Choice - Jubiläumsauktion Henrik Hanstein
Schätzpreis: 70.000 € - 90.000 €
Ergebnis: 138.600 € (inkl. Aufgeld)

Francesco di Lorenzo Rosselli

Auferstehung Christi

Öl auf Holz. 39 x 29 cm.

Francesco Rosselli war der jüngere Bruder des Florentiner Malers Cosimo Rosselli (1439 – 1507). Seit den 1460er Jahren war er in Cosimos Werkstatt tätig und spezialisierte sich später als Miniaturmaler und Kartograph. 1470 arbeitete er für den Dom von Siena, ab 1480 wirkte er am Hofe des Mathias Corvinus im ungarischen Buda.
Das Kleine Tafelbild, ehemals Cosimo zugeschrieben, wurde von Federico Zeri (Fototeca Zeri, Nr. 13307) als Werk des Francesco identifiziert, eine Zuschreibung, der sich auch Gaudenz Freuler anschließt.
Im Vordergrund der Komposition knien vier Heilige: Hieronymus, Franz von Assisi, Lucia und Benedikt. Hinter ihnen erscheint Christus in Halbfigur, im Sarkophag stehend. In der Hügellandschaft des Hintergrundes stellt der Maler einzelne Szenen aus der Leidensgeschichte Christi dar.
Die Position der Christusfigur und die in die Tiefe gestaffelte Komposition stehen in Zusammenhang mit anderen Werken der Rosselli-Werkstatt aus den 1460er und 1470er Jahren – darunter etwa die “Grablegung Christi” in der Gemäldegalerie Berlin (Abb. 1; Inv.-Nr. 71). Die Figuren selbst hingegen erinnern an Francescos gravierte Vorlagen (insbesondere besteht eine enge Verbindung zur Figur des Heiligen Hieronymus, einem Fragment, das sich heute im Metropolitan Museum of Art befindet; Abb. 2).
Die Tafel wird für die häusliche Andacht konzipiert worden sein, wobei die reduzierte Größe auch in Zusammenhang mit Francescos Neigung, in kleinen Dimensionen zu arbeiten stehen dürfte.
Das Bild stammte ursprünglich aus der ungarischen Sammlung Nemes, die 1928 in Amsterdam bei Frederick Muller versteigert wurde. Dort wird es der Kunsthändler Jacques Goudstikker erworben haben, in dessen Galeriebeständen es sich bis 1940 befand. Dieser Kunstbestand wurde von Herman Göring und Alois Miedl unrechtmäßig übernommen. Mit anderen Werken aus Goudstikkers Kunstbesitz wurde diese Tafel 1940 in Berlin über das Auktionshaus Lange verkauft.
Das Werk wird im Einvernehmen mit den Erben nach Jacques Goudstikker versteigert.

Abb. 1: Cosimo Rosselli, Die Grablegung Christi, Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin bpk / Gemäldegalerie, SMB.

Abb 2/Fig. 2: Francesco Rossellii, Hl. Johannes und Hl. Hieronymus (Fragment aus einer Kreuzigung) / Saint John and Saint Jerome © The Metropolitan Museum of Art, New York, Purchase, Dr. and Mrs. Goodwin M. Breinin Gift, 1988, Inv.-Nr. 1988.1102.

Provenienz

Slg. Marczell von Nemes, Budapest. – Seine Versteigerung bei Frederik Muller, Amsterdam, 13.-14.11.1928, Lot 13 (als École Florentine, seconde moitié du XVe siècle). - Kunsthandlung Jacques Goudstikker, Amsterdam, bis 1940. - Beschlagnahmt von den Nationalsozialisten, Amsterdam, Juli 1940. – Kunstsammlung Herrmann Göring. - Kunsthandlung Goudstikker-Miedl, Amsterdam, seit Juli/August 1940. - Berliner Bankhaus [=Goudstikker-Miedl/Schantung AG/Landvolkbank], ab Mitte August 1940. – H. W. Lange, Berlin, 3.-4.12.1940, Lot 15. – Dort erworben und seitdem in einer deutschen Privatsammlung. - 2025 an die Erben nach Jacques Goudstikker restituiert.

Literaturhinweise

Nouvelles acquisitions de la Collection Goudstikker d’Amsterdam, Ausst.-Kat. Rotterdamsche Kunstkring, Rotterdam, 1929 und Galerie Goudstikker, Amsterdam 1929, Nr. 36, Nr. 64 Abb. – Italiaansche Kunst in Nederlands Bezit, Ausst.-Kat. Stedelijk Museum Amsterdam, 1934, Nr. 309. – Weltkunst, Jg. XIV, Nr. 50/51, 08.12.1940, S. 2 (Preisbericht).
Archivalien: Stadsarchief Amsterdam, Collection 1341, Archief van Jacques Goudstikker en Desi Goudstikker-Halban, Nr. 38, Blackbook, S. 190.

Ausstellung

Nouvelles acquisitions de la Collection Goudstikker d’Amsterdam, Rotterdamsche Kunstkring, Rotterdam und Galerie Goudstikker Amsterdam 1928/1929. – Italiaansche Kunst in Nederlands Bezit, Stedelijk Museum Amsterdam, 1934, Nr. 309.