Franz West
Abschlag
1998
Installation: Gemälde: Lack, Gips, Karton, Schilf, Draht und Holz 82 x 117 cm; Stehlampe: Glas, Elektrokabel, Glühbirnen, Pergament und Bambusrohr 146 x 30 x 30 cm; Clubsessel: Metall, Holz, Schaumstoff, Jute, Baumwolle 93 x 82 x 82 cm; Wandfarbe 246 x 314 cm; Bodenbelag: Tageszeitung der jeweiligen Stadt ca. 314 x 165 cm. - Mit Atelier- und leichten Altersspuren.
Das Werk „Abschlag“ ist ein eindrucksvolles Beispiel für Franz Wests Kombi-Werke: Installationen, in denen er eine Vielzahl einzelner Elemente wie Möbel, Skulpturen, seine bekannten Passstücke (Adaptives), Videos und andere Werke aus verschiedenen Schaffensperioden zu neuen Arrangements zusammensetzt. Auf diese Weise schuf West hybride Installationen, die als eine Art sich stetig weiterentwickelnde Retrospektive oder selbst kuratierter Überblick über sein künstlerisches Schaffen fungieren.
Ein besonders charakteristisches Merkmal dieser Arbeit ist die Verwendung von Zeitungen, einem Material, das in Wests Œuvre immer wiederkehrt. In seinen frühen Möbelstücken wurden Zeitungen oft verwendet, um Gespräche anzuregen und den Betrachter subtil von einer beobachtenden zu einer partizipativen Haltung zu bewegen. In dieser Installation sind die Zeitungen auf dem Boden ausgelegt, was die Frage aufwirft: Sollen sie gelesen werden oder sind sie lediglich Teil der Bildsprache des Werks? Im Gegensatz zu früheren Arbeiten, bei denen die Zeitungen täglich ausgetauscht wurden, werden sie hier nur gewechselt, wenn die Installation an einen neuen Ort gebracht wird. Die Zeitungen spiegeln die Zeit und den Ort der letzten Installation wider, in diesem Fall Köln.
Franz West, ein Autodidakt, ist für seinen partizipativen Ansatz in der Kunst bekannt. Seine Werke laden zur physischen Interaktion ein und lehnen die traditionelle, passive Haltung zwischen Betrachter und Kunstwerk ab. Stattdessen fördert er einen lebendigen Austausch: Die Besucher werden dazu ermutigt, sich hinzusetzen, sich zurückzulehnen oder auf andere Weise mit dem Werk zu interagieren, wodurch jede Begegnung zu einem einzigartigen, persönlichen Erlebnis wird.
West war stark von den psychoanalytischen Theorien Sigmund Freuds beeinflusst und betrachtete seine Werke als Erweiterungen der Psyche, als Objekte, durch die unbewusste Impulse und soziale Verhaltensweisen erforscht werden können. Seine Kunst widersetzt sich einer statischen Interpretation und bietet stattdessen einen spielerischen, forschenden und oft humorvollen Raum für Reflexion und Austausch.
Provenienz
Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt/M. (1999); Martin Z. Margulies Foundation, Miami
Literaturhinweise
The Martin Z. Margulies Collection, Painting and Sculpture, Miami/New York 2008, S.324/325 mit Farbabb.
Ausstellung
Frankfurt/M. 1999 (Galerie Bärbel Grässlin), Franz West, Arbeitsplatte (Installationsansicht auf der homepage)