Ippolito Caffi
Die Piazza della Borsa - der Börsenplatz - in Triest bei Nacht
Öl auf Leinwand. 65,5 x 100,5 cm.
Signiert unten links auf der Plane des Pferdewagens: CAFFI.
Ippolito Caffi begann seine künstlerische Laufbahn in Padua und besuchte anschließend von 1827 bis 1829 die Akademie in Venedig, wo er 1830 einen Preis in Perspektivmalerei gewann. Auf der Suche nach neuen Horizonten zog er in diesem Jahr nach Rom und lebte dort bis 1843. Den Rest seines Lebens verbrachte er in verschiedenen Städten und Ländern, wo er mit Erfolg und Anerkennung malte, zugleich aber auch politisch aktiv war, was zu Exil und Gefangenschaft und letztlich zu seinem Tod in der Schlacht von Lissa 1866 führte.
Anfangs orientierte sich Caffi an der venezianischen Vedutenmalern des 18. Jahrhunderts, alsbald erkundete er jedoch neue Wege. Sein Interesse galt den atmosphärischen Elementen, den wechselnden Lichtverhältnissen und Wetterereignissen – Phänomene, die auf dieser nächtlichen Stadtansicht mit den von Gaslaternen beleuchten Gassen und Geschäften sowie dem Mondlicht derart sehr hervorstechen, dass die langjährige Zuschreibung an Leo von Klenze, dem intellektuellen Baumeister aus München, eher verwunderlich ist.
In den Jahren 1839-40 ist Caffi in Triest dokumentiert, wo er einige prestigeträchtige Aufträge erhält. Dokumentiert sind darunter zwei Ansichten der „Piazza della Borsa“, dem Börsenplatz -, die im Übrigen beide von zwei bedeutenden Sammlern der damaligen Zeit in Auftrag gegeben wurden. Die erste entstand 1839 für Prospero Fontana, die zweite, im Mondlicht, für Cristo Ranieri. Dieses Gemälde wurde auf der ersten Ausstellung der „Società di Belle Arti“ 1840 gezeigt und wird in dem dazugehörenden Katalog als die Nr. 100 gelistet. Keines der beiden Börsenbilder ist diesen frühen Katalogen als Foto reproduzier. Bei Letzteren dürfte es sich um das hier vorliegende Gemälde handeln.
Das hier erstmals als Werk von Ippolito Caffi vorgestellte Gemälde ist ein wichtiger Fund und eine schöne Ergänzung des Œuvres dieses bedeutenden italienischen Malers des 19. Jahrhunderts.
Abb. 1/Ill. 1: Triest, Piazza di Borsa.
Provenienz
Herbert M. von Klenze. - Ingo von Klenze. - Sotheby's, München, 29.11.1989, Lot 58 (als Klenze). - Deutsche Privatsammlung.
Literaturhinweise
N. Lieb u. F. Hufnagl: Leo von Klenze. Gemälde und Zeichnungen, München 1979, S. 123-4, Nr. G 58.
Ausstellung
München, Residenz: Leo von Klenze als Maler und Zeichner, 27,10.1977 - 29.01.1978.