Lot 25 D

Karl Schmidt-Rottluff - Erzgebirgshäuser

Auktion 1278 - Übersicht Köln
04.12.2025, 18:00 - 50 Lots - My Choice - Jubiläumsauktion Henrik Hanstein
Schätzpreis: 250.000 € - 300.000 €
Ergebnis: 302.400 € (inkl. Aufgeld)

Karl Schmidt-Rottluff

Erzgebirgshäuser
1936

Öl auf Leinwand. 76,5 x 112,5 cm. Gerahmt. Unten links grünbraun signiert 'S. Rottluff'. Rückseitig auf dem Keilrahmen signiert, betitelt und bezeichnet 'Schmidt-Rottluff "Erzgebirgshäuser" ((36/2)) =gewachst='. - Äußerst farbfrisch erhalten.

Das Erzgebirge nahe seiner Heimatstadt Chemnitz fand motivisch des Öfteren Eingang in das Schaffen von Karl Schmidt-Rottluff - nie jedoch in einer vergleichbaren Eindringlichkeit wie in den 1936 entstandenen „Erzgebirgshäusern“, die von tiefen Schatten und einer intensiv glühenden Farbigkeit definiert sind.
Die besondere Dramatik der Szenerie wird durch den Wald hervorgerufen, der sich als dunkle Wand im Hintergrund erhebt - und Assoziationen an die Waldbilder Edvard Munchs weckt, insbesondere „Kinder im Wald“ (1901-02, Munchmuseet Oslo).
Im starken Kontrast zu dieser bedrohlichen Kulisse steht die Lichtfülle der Abendsonne, die Teile der Landschaft schlaglichtartig erhellt. Als breites Band aus Grüntönen erstrecken sich Wiesenflächen quer durch den Bildraum. Hinter einer Mauer erheben sich mehrere kubische Häuser, die teils im Dunkel des Waldes liegen, teils im Sonnenlicht in intensivem Rot, Orange und Rosa aufleuchten. Eine kleine, in Orangetönen erstrahlende Hütte setzt im Vordergrund den entsprechenden Kontrapunkt.

Aufgrund der zunehmenden Repressalien durch das NS-Regime, denen Schmidt-Rottluff seit 1933 ausgesetzt ist, entstehen im Verlauf der 1930er Jahre nur wenige Gemälde. „Die Farbgebung ist kraftvoll“, schreibt Magdalena Moeller über diese Zeit, „die Kontraste wirken ohnehin sehr stark, ein weich fließender, souverän und locker geführter Pinselduktus füllt und belebt die Flächen. Dennoch scheinen einige Bilder symbolisch befrachtet zu sein, tragen verschlüsselt die persönliche Situation und innere Befindlichkeit des Künstlers vor.“ (zit. nach: Ausst. Kat. Karl Schmidt-Rottluff, München/Wien 1997, S. 42). Die Dramatik dieser exzeptionellen Lebensphase Schmidt-Rottluffs wird in den „Erzgebirgshäusern“ in eine magisch wirkende visuelle Intensität übersetzt. Das Nebeneinander von Farbfülle und starken Hell-Dunkel-Kontrasten ist so nur vergleichbar mit der 1934 geschaffenen „Brücke mit Eisbrechern“ (Brücke-Museum Berlin, siehe Vgl.Abb.).

Bemerkenswert ist schließlich die Provenienz des Gemäldes: Im Jahr 1955 wurde es als „Dankspende“ der internationalen Hilfsorganisation Rotes Kreuz in Washington übergeben. Möglicherweise erfolgte diese Spende durch Karl Schmidt-Rottluff selbst, der den Begriff der „Dankspende“ explizit in seinen Atelierdokumenten verwendete. Als Überbringer könnte der damalige Bundespräsident Theodor Heuss fungiert haben, der privat mindestens ein Werk von Schmidt-Rottluff besaß. Heuss hatte 1951 die „Dankspende des Deutschen Volkes“ initiiert, in der deutsche Bürger zu Spenden als Dank für die ausländische Hilfe in den Nachkriegsjahren in Deutschland aufgerufen wurden und an der sich auch deutsche Künstler beteiligten. Besonders seit 1955, dem Jahr der Erlangung der weitgehenden Souveränität der Bundesrepublik Deutschland, absolvierte Heuss mehrere offizielle Staatsbesuche im Ausland. (vgl. u.a. Guido Müller, Deutsche Kunstwerke für das Ausland: Theodor Heuss und die Dankspende des Deutschen Volkes 1951-1956, in: Johannes Paulmann (Hg.), Auswärtige Repräsentationen. Deutsche Kulturdiplomatie nach 1945, Köln/Weimar/Wien 2005).

Zertifikat

Wir danken Christiane Remm, Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung im Brücke-Museum, Berlin, für freundliche Auskünfte und Hinweise; das Gemälde ist im Archiv der Stiftung dokumentiert.

Provenienz

Rotes Kreuz, Washington (Dankspende 1955); Lafayette Parke Gallery, New York (erworben auf der Art Cologne 1993); Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Literaturhinweise

Will Grohmann, Karl Schmidt-Rottluff, Stuttgart 1956, Chronologischer Oeuvrekatalog der Gemälde, S. 302

Ausstellung

Mannheim 1951 (Städtische Kunsthalle), Karl Schmidt-Rottluff, o. Kat. Nr.; Hannover 1952 (Kestner-Gesellschaft), Karl Schmidt-Rottluff, Kat. Nr. 26