Lot 26 D α

Wilhelm Alexander von Kobell - Blick auf den Tegernsee vom Weg zur Neureuth

Auktion 1278 - Übersicht Köln
04.12.2025, 18:00 - 50 Lots - My Choice - Jubiläumsauktion Henrik Hanstein
Schätzpreis: 120.000 € - 140.000 €
Ergebnis: 163.800 € (inkl. Aufgeld)

Wilhelm Alexander von Kobell

Blick auf den Tegernsee vom Weg zur Neureuth

Öl auf Leinwand. 29,5 x 27 cm.
Im originalen Wittelsbacher Rahmen.

Dieser „Blick auf den Tegernsee von der Neureuth aus“ befand sich jahrzehntelang verborgen in Bayerischem Adelsbesitz und ist heute eine ebenso kostbare, wie interessante Ergänzung zum bekannten Œuvre Wilhelm von Kobells, das von Siegfried Wichmann 1970 veröffentlicht wurde.
Wilhelm von Kobell ist einer der wichtigsten Münchner Landschaftsmaler des frühen 19. Jahrhunderts, die bekanntlich in den zwei ersten Jahrzehnten während und nach den Napoleonischen Kriegen vor allem durch das aktive Interesse und die Förderung des regierenden Königshauses erblühte. Eindrucksvoll ist in diesem Zusammenhang Kobells umfangreicher Briefwechsel mit König Maximilian I. Joseph und Kronprinz Ludwig, dem späteren König Ludwig I, der in Wichmanns Publikation ausführlich nachzulesen ist.
Drei Referenzwerke erlauben die Zuschreibung und eine Datierung dieser außerordentlich fein gemalten Neuentdeckung. Es ist in erster Linie ein im Jahr 1833 von demselben Standpunkt gemaltes Bild, das sich heute in der Neuen Pinakothek in München befindet (Abb. 1; Inv.-Nr. L334; Wichmann, op. cit. Nr. 1515). Es trägt den gleichen Bildtitel und unterscheidet sich von unserem Werk hauptsächlich in der Staffage: Kinder in Trachten gekleidet und einige Schafe hier, ein Reiter mit zwei weiteren Pferden und eine Frau und einem Buben dort. Gemeinsam ist beiden Bildern der Reichtum an Einzelheiten und Bauten am Hang und entlang des Seeufers, an dem in der Bildmitte Schloss Tegernsee hervorragt. Der Bildtitel geht auf den Standort des Malers zurück, einen beliebten Aussichtspunkt auf dem Wanderweg zum Gasthof Neureuth. Vergleichbar sind zudem zwei weitere Bilder mit dem Titel „Reiter am Tegernsee“, die ein Jahr früher entstanden sind, eines in der Berliner Nationalgalerie (Abb. 2) und das zweite in Privatbesitz (Sotheby‘s, London 12.12.2018, Lot 1.; Wichmann, op. cit., Nr. 1504 und 1505). Während auf diesen zwei Kompositionen ein Gewitter aufzieht, zeichnet sich unsere aus durch die klare, durchsichtige Atmosphäre des Bayerischen Hochlandes, die kaum ein anderer Maler seiner Zeit so schön auf die Leinwand bringen konnte, wie Wilhelm Kobell.
Alfred Lichtwark bewunderte die „Schönheit und Sachlichkeit der strengen Kompositionen Wilhelm Kobells“. Erich Steingräber wiederum zählte ihn „zu jenen Künstlern, die aus der Fülle von Einzelbeobachtungen jeweils das typische herauszugreifen vermögen“ – zwei passende Beschreibungen, die in schönster Form auch auf diesem, um 1832/33 entstandenem Bild ihre Bestätigung finden.

Abb. 1/Fig. 1: Wilhelm von Kobell, Blick auf den Tegernsee / View of Lake Tegernsee, Bayerische Staatsgemäldesammlungen - Neue Pinakothek München © bpk | Bayerische Staatsgemäldesammlungen.

Abb. 2/Fig. 2: Wilhelm von Kobell, Reiter am Tegernsee / Horsemen at Lake Tegernsee, Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin © bpk / Nationalgalerie, SMB / Jörg P. Anders.

Provenienz

Aus bayerischem Adelsbesitz.

Literaturhinweise

Zitierte Literatur: S. Wichmann: Wilhelm von Kobell, München 1970.