Lot 32 D α

Ludolf Backhuysen d. Ä. - Handelsschiffe am Ankerplatz südöstlich von Texel

Auktion 1278 - Übersicht Köln
04.12.2025, 18:00 - 50 Lots - My Choice - Jubiläumsauktion Henrik Hanstein
Schätzpreis: 80.000 € - 100.000 €
Ergebnis: 100.800 € (inkl. Aufgeld)

Ludolf Backhuysen d. Ä.

Handelsschiffe am Ankerplatz südöstlich von Texel

Öl auf Leinwand (doubliert). 57,2 x 70,5 cm.
Signiert unten links (auf der Tonne): L. Back/1661.

Ludolf Backhuysen begann seine Karriere als Konturist und Schönschreiber bei Guillielmo Bartolotti van den Heuvel, einem Mitglied der Niederländischen Ostindien-Kompanie und wohlhabenden Getreidehändler. Seine künstlerische Ausbildung begann er erst Ende der 1650er Jahre bei dem Landschaftsmaler Allaert van Everdingen und schloss diese bei Hendrick Dubbels, einem führenden Amsterdamer Marinemaler, ab. Trotz seines späten Einstiegs gilt er neben Willem van de Velde II. als der bedeutendste niederländische Marinemaler der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und sicherte sich die Gunst sowohl des Königshauses als auch wohlhabender Kaufleute. Als Willem van de Velde mit seinem Sohn 1672 aus wirtschaftlichen und politischen Gründen nach England übergesiedelt waren, blieb Backhuysen als führender Marinemaler in den Niederlanden. Houbraken berichtet, dass Cosimo III de' Medici, Friedrich I. von Preußen und Peter der Große sein Atelier besuchten und letzterer sogar Zeichenunterricht bei ihm genommen haben soll.
Backhuysens 1661 datiertes Gemälde ist noch vor seiner Aufnahme in die Amsterdamer Lukasgilde im Jahr 1663 entstanden. Gleichwohl ist in diesem Frühwerk sein einzigartiger Stil bereits voll entwickelt. Backhuysens genaue Beobachtung der Details, seine Kenntnisse der Schifffahrt sowie sein Talent für die Wiedergabe der stets wechselnden Atmosphäre, des Wassers der Licht- und Wetterverhältnisse, kommt in diesem Gemälde zu schönster Geltung. Eines der populärsten Markenzeichen der Marinemalerei Backhuysens, das „maritime Aktionsfeld“ zeigt sich laut Gerlinde de Beer erstmals in diesem Bild: „Bei diesem Bildtyp sind Boote, hier sind es auf einem bewegten Küstengewässer ein Boyer, ein Einmaster und ein Ruderboot, in rotbraunem Ton, durch einen Beladungsvorgang zu einem Motivkomplex voll Handlung und Bewegung verbunden … Das bewegte Meer und ein starker wolkentreibender Wind sind eine Grundvoraussetzung, um den wiedergegebenen Vorgang als einen riskanten maritimen Akt zu schildern.“ (G. de Beer, op. cit., S. 44f). Entsprechend dramatisch fällt die Szene aus: Alle Figuren an Bord sind in Aktion. Der Wind greift wild in den Mast und das weiße Segel des vorderen Bootes. Einen atmosphärischen Gegenpol dazu bildet die grau-blau geschilderte Dünenlandschaft von Texel, die sich ruhig und weit am Horizont erstreckt.

Provenienz

Kunsthandel P. de Boer, Amsterdam (Etikett). - Kunsthandel Rob Kattenburg, Heiloo, 1998 - Niederländische Privatsammlung.

Literaturhinweise

G. de Beer: Ludolf Backhuysen. Sein Leben und Werk, 2002, S. 44-45, Abb.42.

Ausstellung

Backhuysen aan het roer, Koninklijk Paleis, Amsterdam, 2004, Nr. 4.