Lot 34 D

Günther Uecker - Sturz

Auktion 1278 - Übersicht Köln
04.12.2025, 18:00 - 50 Lots - My Choice - Jubiläumsauktion Henrik Hanstein
Schätzpreis: 200.000 € - 300.000 €
Gebot

Günther Uecker

Sturz
1988

Nagelung und Schultafellack auf Leinwand auf Holz. 90 x 75 x 17 cm. Rückseitig auf dem Holz signiert, datiert und betitelt 'STURZ 88 Uecker'. - Mit Atelier- und leichten Altersspuren.

Mit dem für sein Œuvre charakteristischen Einsatz von Nägeln schafft Günther Uecker in „Sturz” von 1988 ein kraftvolles Reliefbild, das einer nur wenige Arbeiten umfassenden Werkgruppe angehört: Der auf dem Boden liegende Bildträger, eine mit Leinwand überspannte Holzplatte, wird zunächst mit schwarzem Schultafellack bearbeitet, den der Künstler mit bloßen Händen aufträgt. Er simuliert einen rückwärtsvollzogenen Sturz, indem er seine Hände in einer bogenförmigen Bewegung von rechts unten nach oben über die linke Bildhälfte herabführt, wo sich die Spuren verdichten. Anschließend hämmert er die Nägel in die Oberfläche und spaltet den Bildkörper in einem finalen Akt von der Rückseite mit einer Axt.
Günther Ueckers künstlerische Praxis ist, wie Werner Meyer hinsichtlich der in den 1980er Jahren entstandenen Arbeiten schreibt, „vom Antrieb bestimmt, bildnerisch handelnd zu begreifen. Es geht ihm um ein existenziell bestimmtes Handeln, um Authentizität, begründet in der Empfindung, in einer inneren Erregtheit oder in verschütteter Erinnerung, nicht in nur formalen, kompositorischen Überlegungen, im ästhetischen Kalkül.“(Werner Meyer (Hg.), Günther Uecker, Die 80er Jahre, Ausst.Kat. Städtische Galerie Göppingen, München 1989, S. 13).
Uecker begreift den Bildträger als „Handlungsfeld“, „das so etwas wie ein Selbstporträt sein kann“. Einer vorgefassten Bildvorstellung stellt er die spontane, körperlich geführte Geste entgegen. Die Benagelung verfestigt die Spuren des Sturzes, die Spaltung markiert den Endpunkt eines intensiven körperlichen Prozesses – einen Befreiungsakt.
Der rückläufige Sturz wird für Uecker zu einem existenziellen Erlebnis:
„Es ist wirklich so, daß man von dem Gefühl befreit wird, so ungefähr, wie wenn man im Traum fällt und vor dem Aufschlagen aufwacht. So bin ich psychisch in diesem Zustand des Fallens, und durch die Rücknahme – also durch die gegenläufige Bewegung, die ich dann wirklich vollziehe – löst sich diese Spannung […].“ (G. Uecker, in: Ebd., S.50).

Zertifikat

Dieses Werk ist im Uecker Archiv unter der Nummer GU.88.057 registriert und wird vorgemerkt für die Aufnahme in das entstehende Uecker-Werkverzeichnis.

Provenienz

Direkt vom Künstler erworben; Privatsammlung, Norddeutschland