Lot 49 D α

Friedrich Nerly - Der Canal Grande mit Blick auf Santa Maria della Salute

Auktion 1278 - Übersicht Köln
04.12.2025, 18:00 - 50 Lots - My Choice - Jubiläumsauktion Henrik Hanstein
Schätzpreis: 100.000 € - 120.000 €
Gebot

Friedrich Nerly

Der Canal Grande mit Blick auf Santa Maria della Salute

Öl auf Leinwand. 70 x 102 cm.
Signiert unten links: Nerly f.

Die Biografie wie auch die künstlerische Entwicklung Friedrich Nerlys werden bestimmt durch die Verbindung seiner deutschen Herkunft – er wurde als Christian Friedrich Nehrlich in eine Erfurter Musikerfamilie geboren – und seiner italienischen Wahlheimat. Bereits im Alter von 21 Jahren zog es den Künstler nach Italien – zunächst nach Rom und Mailand, 1837 ließ er sich dann in Venedig nieder, inmitten des Motivs, das er fortan in stimmungsvollen Ansichten zum wichtigsten Thema seines Œuvres machen sollte. Nerlys Veduten der Lagunenstadt waren bei Sammlern in ganz Europa begehrt und dürften neben denen einiger englischer Maler wie Richard Parkes Bonington oder William Turner prägend für das Bild Venedigs im 19. Jahrhundert gewesen sein. Wenn auch Nerly in der minutiösen Detailgenauigkeit an die ein Jahrhundert zuvor entstandenen Veduten Canalettos anknüpft, so überwiegt bei ihm doch die atmosphärische Wiedergabe eines pittoresken, idealisierten Venedigs. Alltagsszenen und Figuren des zeitgenössischen Lebens finden sich in den in Öl gemalten Venedig-Ansichten Nerlys selten; er bevorzugt Personen in historischen, zumeist an die Renaissance angelehnten Kostümen, die er akribisch studierte.
Umso reizvoller ist die kleine Szene unten rechts auf dem vorliegenden Gemälde. Eine Dame in blauem Kleid mit einem Fächer stützt sich auf ihren Begleiter, der sie zur Anlegestelle einer Gondel führt. Dabei wendet sich die Dame noch einmal zu einer Obstverkäuferin zurück, die sitzend ihre Waren anbietet. Die Komposition mit der Ansicht des Canal Grande und dem Blick auf Santa Maria della Salute dürfte eine der frühesten Venedig-Veduten Nerlys sein. Eine Ausführung dieser Komposition in der Kunsthalle Bremen wird auf 1838/39 datiert, also in die ersten Jahre seines Aufenthalts in der Lagunenstadt (Abb. 1; Öl auf Leinwand, 67,5 x 86 cm, Inv.-Nr. 381-1947/5). Dieses im Vergleich zu unserem Gemälde etwas kleinere Werk wirkt wie die Fortsetzung unseres Gemäldes: das junge Paar hat nun die Gondel erreicht und auch die beiden kleinen Hunde tollen noch auf der Kaimauer herum; lediglich die Obstverkäuferin ist nicht mehr zu sehen. Eine weitere Version, nunmehr im Abendlicht, befindet sich im Besitz des Frankfurter Städels (Abb. 2; Öl auf Leinwand, 74,5 x 106 cm, Inv.-Nr. 1173). Hier ist das junge Paar verschwunden, dafür taucht nun die Obstverkäuferin wieder auf. Alle drei Versionen dürften auf ein Aquarell Nerlys zurückgehen, das die Szenerie im klaren Tageslicht zeigt (Erfurt, Angermuseum, Inv.-Nr. 3026). Nerly nahm ein solches Aquarell häufig als Ausgangspunkt für seine Ansichten in Öl, in denen er dann verschiedene Lichtstimmungen erprobte. Im Zentrum der Komposition, wenn auch in größerer Entfernung, steht der grandiose Kirchenbau von Santa Maria della Salute von Baldassare Longhena aus dem 17. Jahrhundert. Vom Standpunkt des Betrachters geht der Blick auf die gegenüberliegende Seite des Canal Grande und den im 16. Jahrhundert errichteten Palazzo Cavalli-Franchetti.

Abb. 1/Fig. 1: Friedrich Nerly, Canal Grande mit Santa Maria della Salute / The Grand Canal with a View of Santa Maria della Salute © Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen / Foto Lars Lohrisch.

Abb. 2/Fig. 2: Friedrich Nerly, Der Canal Grande in Venedig mit Blick auf Santa Maria della Salute / The Grand Canal with a View of Santa Maria della Salute © Städel Museum, Frankfurt am Main.

Provenienz

Seit fünf Generationen in süddeutscher Privatsammlung.