Otto Dix
Restaurant an der Elbe
1912
Öl auf Leinwand, auf Karton aufgezogen. 47,8 x 53,9 cm (Leinwandmaß), 49 x 55 cm (Kartonmaß). Gerahmt. Unten rechts schwarz signiert und datiert 'Dix 1912'. Rückseitig handschriftlich bezeichnet "K. 1920/3 Dix, Otto 'Kneipe an der Elbe' Ölg. 1920 250 M". - In guter Erhaltung. Kleine Retuschen im rechten Bildrand.
Das Gemälde „Restaurant an der Elbe“ gehört zu einer Reihe 1912 entstandener Landschaften aus einer Zeit, in der Otto Dix seine Ausbildung an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule in Dresden absolvierte. Das Jahr 1912 brachte für den Künstler eine merkliche stilistische Zäsur, denn nach dem Besuch der großen Van Gogh-Ausstellung in der Dresdner Galerie Arnold folgte auf einen klassischen Realismus die intensive Auseinandersetzung mit der Farbgebung und vor allem der Pinselfaktur des holländisch-französischen Meisters.
Für das angebotene Gemälde schuf Dix mit farbgetränktem Pinsel in Grün, Rostrot und vielen Schattierungen von Grau die Ansicht eines an der Elbe gelegenen Restaurants. Von einem erhöhten Standpunkt aus erfasste er den diagonal verlaufenden Weg, das einfache Restaurantgebäude mit den leeren Tischreihen und das grüne Elbufer. Mit kraftvollen Pinselzügen markierte er die aufziehenden Sturmwolken, die auch eine Erklärung für die wenigen Besucher des Lokals sein dürften. Der Mast mit eingeholter Flagge rechts durchmisst und verbindet gleichzeitig alle Bildebenen. Wie in kaum einem anderen Gemälde aus dieser Zeit hatte Dix hiermit eine Landschaft geschaffen, die im Sinne des Spätimpressionismus die augenblickliche Wetterstimmung – in diesem Fall die atmosphärisch aufgeladene Luft vor einem Sturm – zum Thema hat.
Werkverzeichnis
Löffler 1912/15
Provenienz
Stadtmuseum, Dresden, angekauft 1920 - 11.10.1937; Beschlagnahmung durch das Deutsche Reich, Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP), 11.10.1937; Berlin, Depot Schloß Schönhausen, 8.1938–1939; Kunsthandlung Bernhard A. Böhmer, Güstrow, in Kommission, Rückgabe an das RMVP, 1939 –11941; Privatbesitz Nordrhein-Westfalen.
Literaturhinweise
Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin, NS-Inventar EK-Nr. 13650 (mit Hinweisen zu den Quellen im Bundesarchiv Berlin), https://emuseum.campus.fu-berlin.de/eMuseumPlus