Ewald Mataré
Tänzelndes Pferd (Chinesisches Pferd)
1943
Bronze, auf ovale Plinthe montiert. Höhe 20 cm. Auf der Plinthe mit dem Signaturstempel 'MATARÉ' versehen. Wohl Lebzeitenguss. - Mit mittelbrauner Patina.
Das „Tänzelnde Pferd“, Matarés wohl bekannteste Pferdeplastik, ist durch eine schwebende, spielerische Anmut gekennzeichnet. Die bewegten schlanken Gliedmaßen und die S-förmige Schwingung des Körpers stehen in ihrer Grazilität und Leichtigkeit im Kontrast zu den oft erdverbundenen Formen seiner Tierplastiken.
Vorläufer ist eine im selben Jahr entstandene Fassung in Zedernholz, die der Künstler im Kloster Eberbach anfertigte (vgl. Schilling/de Werd 258). Der Reiz dieser geschnitzten Arbeit liegt in der besonderen Maserung des Holzes, wohingegen sich die vorliegende Bronzefassung durch die geschmeidige Glätte auszeichnet, die die fließenden Formen des Tieres noch unterstreicht.
Wie üblich hat Mataré kein spezielles Pferd vor Augen gehabt, sondern erfasst das Generelle, Wesenhafte des Tieres. Durch die Reduktion auf das Allgemeingültige gewinnen seine Tierplastiken eine Bedeutung auf geistiger Ebene, über das rein Abbildende hinaus. Der Künstler übersetzt die naturalistische Anschauung in eine zum Ornament reduzierte, elegante Darstellung. So weist auch die weitere Bezeichnung als „Chinesisches Pferd“ auf diesen ornamentalen Charakter hin.
Die Art der Ausführung, nicht zuletzt die präzise Ziselierung der Mähne, lässt auf einen Lebzeitenguss schließen.
Werkverzeichnis
Schilling/de Werd 258a; Schilling 241 a
Zertifikat
Wir danken Guido de Werd, Köln, für seine freundlichen Hinweise und wissenschaftliche Unterstützung.
Provenienz
Langjähriger Familienbesitz Nordrhein-Westfalen
Literaturhinweise
Vgl. Helmut Schoppa, Unerschöpfliches Geheimnis der Form. Der Bildhauer Ewald Mataré 65 Jahre alt, in: Rheinische Post, Februar 1952, mit Abb.; Hanns-Erich Haak, Ewald Mataré, in: die Kunst und das Schöne Heim, 53. Jg., Heft 3, 1955, S. 93;
Ausstellung
Vgl. u.a. Stockholm 1954 (Svensk-Franska Konstgalleriet), Skulpturer Träsnitt 1921-1953, Kat. Nr. 59; Amsterdam/Enschede 1964 (Stedelijk Museum/Rijksmuseum Twenthe), Mataré; München 1966 (Galerie Günther Franke), Ewald Mataré zum Gedächtnis, Kat. Nr. 13 mit Abb.; Trier 1966 (Städt. Museum), Mataré, Kat. Nr. 13; Aachen 1973 (Suermondt-Museum), Ewald Mataré, o. Kat. Nr.; Düsseldorf 2005 (Akademie-Galerie), Ewald Mataré. Eine Werkübersicht, Kat. Nr. 49; Berlin 2009 (Georg-Kolbe-Museum), Bestiarium. Tierplastik des 20. Jhs., Abb. S. 88; Kleve 2010 (Museum Kurhaus Kleve), Ewald Mataré Plastik. Eine rheinische Privatsammlung, Kat. Nr. 23, S. 70/71