Christian Rohlfs - Schneeberg am See

Christian Rohlfs - Schneeberg am See - image-1
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Christian Rohlfs

Schneeberg am See
1935

Wasserempera 58 x 78,7 cm. Unten rechts rötlich braun monogrammiert und datiert.CR 35. Rückseitig wohl von Helene Rohlfs mit Bleistift numeriert und betitelt "Nr. 4 Schneeberg am See" - Mit reißnagellöchern in den Ecken. Minimalst gebräunt im Passepartout-Ausschnitt, sonst in vorzüglicher Erhaltung.

In den letzten Jahren ging Christian Rohlfs zunehmend dazu über, in seiner Arbeit dem zu entsprechen, was er bereits 1911 an Gertrud Osthaus geschrieben hatte: "Ja, ich bin mit dem Realismus wirklich am Ende und stilisiere, daß sich die Balken biegen. Deshalb will ich vor der Natur auch gar keine Bilder malen sondern mir bloß Material verschaffen. Dieses aber dann im Atelier mit Phantasie und Geisteskraft zu herrlichen Kunstgebilden umarbeiten." (zit. nach Ausst. Kat. Christian Rohlfs, Braunschweig/ Rostock/ Halle 1993, S. 201).
Auf den gemeinsam mit seiner Frau unternommenen Reisen pflegte diese manche Landschafts-Motive zu photographieren. Es ist aber bei dem Zauber von Blättern wie dem vorliegenden "Schneeberg am See" unvorstellbar, daß Christian Rohlfs sie im Atelier aus dem Gedächtnis mit einer photographischen Erinnerungshilfe und nicht als Ergebnis eines vor Ort erlebten atmosphärischen Eindrucks geschaffen hat.
Ähnliche Wassertempera-Arbeiten gleichen Formats und dieser Qualität finden sich fast nur noch in öffentlichen Sammlungen (vgl. "Berge im Schnee" von 1935, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, Inv. Nr. KdZ 4600 LM, oder "Ghiridone im Schnee" von 1936, Sprengel Museum Hannover, Inv. Nr. Sammlung Sprengel I/271); der Vergleich mit ihnen legt die Vermutung nahe, daß es sich jeweils um dieselbe Gebirgskette bei Ghiridone am Lago Maggiore handelt, von der Helene Rohlfs eine - seitlich schräg aufgenommene - Photographie anfertigte.
Das vorliegende Blatt ist ein Paradebeispiel für die sehr persönliche Aquarelltechnik von Christian Rohlfs, der sie verschiedenen technischen Prozeduren des Malens, Abwaschens, wieder Bemalens, der Behandlung mit Schwämmen und Bürsten ausetzte, bis das Ergebnis seinen Vorstellungen entsprach: "Herrlichen Kunstgebilden" von einer Eindringlichkeit und Dichte, die eigentlich nur mit dem Aquarellwerk William Turners zu vergleichen sind. Derart qualitätvolle Blätter der Reifezeit kommen nur noch selten im Handel vor.

Werkverzeichnis

Mündlich von Prof. Dr. Paul Vogt, Essen bestätigt

Zertifikat

Mündlich von Paul Vogt, Essen, bestätigt

Provenienz

Rheinische Privatsammlung (direkt vom Künstler erworben)

Lot 953 Dα

Schätzpreis:
45.000 €

Ergebnis:
52.360 €