Paula Modersohn-Becker - Birken am Moorgraben. Rückseitig: Rotes Haus

Paula Modersohn-Becker - Birken am Moorgraben. Rückseitig: Rotes Haus - image-1
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Paula Modersohn-Becker

Birken am Moorgraben. Rückseitig: Rotes Haus
Um 1900

Öl auf doppelseitig bemaltem Karton 54,5 x 41 cm, Rückseitig von Otto Modersohn mit schwarzer Tinte handschriftlich bestätigt: "Dieses Bild ist von Paula Modersohn-Becker gemalt. Fischerhude 17. XI. 31. Otto Modersohn".

Lang schien der Blick auf das kraftvolle Werk Paula Modersohn-Beckers verstellt: Ihr früher Tod, die gefühlvolle Ausdeutung ihrer Tagebuchaufzeichnungen und Briefe, die Vereinnahmung durch die Rilke-Gemeinde und die Bewegungen der Frauenemanzipation haben ungerechtfertigterweise die Rezeption ihres eigenständigen Werkes zu stark beeinflußt. Denn bemerkenswert ist schon, daß es einer Malerin an der Wende zum 20. Jahrhundert nicht genügte, in Fortführung der Freilichtmalerei und des französischen Impressionismus ein Abbild des schönen Scheins der Natur wiederzugeben. Auf ihren frühen Reisen nach Paris begegnete sie instinktiv Anderem durch die Konfrontation mit Bildern Cézannes, Gauguins und van Goghs.
Zur Eigenart ihres Oeuvres gehört eine Eigenständigkeit in der Wahl und Gestaltung der Motive. Zu dem kleinen Kreis der über Jahre variierten Themen gehört immer wieder das schmale, hochformatige Landschaftsstück, im Anschnitt an den japanischen Holschnitt erinnernd. Die Malerin strebte nicht Naturnähe an, wie sie die Jahreszeit oder das aktuelle Tageslicht vorgab, Paula Modersohn-Becker beschäftigen vielmehr Probleme der Form, der Farbe und der Gestaltung, letztlich die "Wahrheit" hinter den sichtbaren Dingen. Ihr reduzierter Bildentwurf führte zur Vereinfachung und gerade dadurch zu künstlerischer Größe. Ihre Kunst hatte dabei etwas Ausgleichendes in dem Sinne, daß sie keine dramatischen, drastischen Kontraste in ihren Bildern aufbaute, sondern alles mit dem Gefühl für Zwischentöne wiedergab. In diesem Sinne sind auch die "Birken am Moorgraben" ein früh-vollendetes Meisterwerk.

Werkliste

Busch / Schicketanz / Werner 100

Provenienz

Konsul Dieckmann, Lübeck; Kurt Reutti, Berlin (1960); Rheinische Privatsammlung

Lot 1190 Dα

Schätzpreis:
70.000 € - 80.000 €