Hermann Max Pechstein - Unbekleidetes Liebespaar

Hermann Max Pechstein - Unbekleidetes Liebespaar - image-1
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Hermann Max Pechstein

Unbekleidetes Liebespaar
Um 1912/1914

Öl auf Karton, auf Leinwand aufgezogen monogrammiert

Mit dem Ausscheiden Max Pechsteins aus der "Brücke" war das Ende dieser Künstlergemeinschaft eingeläutet. Der gemeinsame künstlerische Wille hatte im Miteinander von Lernen und Arbeiten bei jedem Mitglied die in ihm liegenden Kräfte freigelegt; nach einer stürmischen, genialischen Anfangsphase suchte nun jeder seinen eigenen Weg, war das Zerwürfnis über den eigenwilligen Text von Kirchners Brücke-Chronik nur äußerer Anlaß, nicht Ursache der Trennung. Für Max Pechstein, der von allen den höchsten Bekanntheitsgrad besaß, der der Öffentlichkeit sogar als Führer der Gruppe galt und am besten verkaufte, war dieser Schritt in die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit sicher am wenigsten schwierig. Künstlerisch knüpfte er nahtlos da an, wo er mit den anderen bei den Moritzburger Teichen aufgehört hatte, denn der Akt in der Landschaft blieb eines seiner bevorzugten Themen, wurde durch die Sehnsucht des Großstädters nach der Ursprünglichkeit des einfachen Lebens in der Natur nur noch intensiver; was ihm mit der wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges nach kurzem Aufenthalt abgebrochenen Südseereise nicht gelang, vollendete sich auf andere Weise dann nach dem Krieg in seinem "Fischerleben" an der Kurischen Nehrung und am Lebasee in Pommern.
"Unbekleidetes Liebespaar" zeigt eine Szene in der freien Natur, der stehende Mann legt der auf einem riesigen Baumstumpf sitzenden Frau fürsorglich ein Kleidungsstück um die Schultern. Bereits in dieser frühen Phase der Eigenständigkeit zeigt sich deutlich Pechsteins von der Brücke-Art abweichende persönliche Entwicklung als Maler: Er wird die formauflösenden Tendenzen, wie sie Kirchner verfolgte, nicht mitmachen können, für ihn bleibt das Gegenständliche verbindlich, das durch die Beibehaltung des expressiven Kolorits interessant und modern gefaßt wird. Den Bildern eignet so mit ihrer strengen Komposition etwas Geschlossenes, Eigenes, das sein damaliges Publikum ansprach und das, wie dieses Bild belegt, nicht auf Anhieb gelang. Denn die etwas ungewöhnliche Oberfläche des Gemäldes macht deutlich, daß es in einem zweiten Arbeitsgang überarbeitet wurde (wenn nicht gar eine andere Komposition übermalt worden ist).

Zertifikat

Mit einer Echtheitsbestätigung von Max K. Pechstein, Hamburg, dem Sohn des Künstlers, vom Dezember 1986.

Lot 1238 Dα

Schätzpreis:
140.000 € - 150.000 €

Ergebnis:
142.800 €