Marianne von Werefkin - Landschaft mit Reiter und Reiterin - image-1

Lot 1106 Rα

Marianne von Werefkin - Landschaft mit Reiter und Reiterin

Auktion 877 - Übersicht Köln
11.06.2005, 00:00 - Moderne Kunst
Schätzpreis: 32.000 € - 35.000 €
Ergebnis: 34.510 € (inkl. Aufgeld)

Tempera auf dünnem Malkarton 48,3 x 43,2 cm, auf starken Karton (5 mm) 49,1 x 43,8 cm aufgezogen, gerahmt. Unten rechts schwarz monogrammiert M.W. - Rückseitig über das volle Format von fremder Hand mit Tuschpinsel schwarz beschriftet "Dono per / le colpiti / di Bosco [...]" und mehrfach mit altem Besitzervermerk von fremder Hand, auf einem Papieretikett mit gedruckter Nummer "58 - 80" handschriftlich mit Tinte u.a. betitelt "Landschaft mit Reiter und Reiterin"; zusätzlich rückseitig auf der oberer Rahmenleiste mit den gleichen alten Besitzvermerken versehen. - In der unteren Bildhälfte stellenweise mit Oberflächenbeschädigungen und alten Retuschen.

Nach Angaben Bernd Fäthkes hat Marianne von Werefkin in Ascona zuweilen Freunden Werke geschenkt und bei dieser Gelegenheit ihre häufig unbezeichneten Arbeiten manchmal monogrammiert. Das vorliegende Gemälde ist möglicherweise dem dargestellten vornehmen Reiterpaar, das von Boten empfangen wird, zugeeignet gewesen.
Marianne von Werefkin, in der naturalistischen Malerei des ausgehenden 19. Jahrhunderts vorzüglich ausgebildet, fand erst in ihren späten Lebensjahren, als sie sich vom Kunstbetrieb weitgehend getrennt und die Verbindung mit Jawlensky sich gelöst hatte, zu konzentrierter eigener Arbeit zurück. Die Bilder der zwanziger Jahre folgen den expressionistischen Anfängen, was sich besonders im eigenwilligen Kolorit ausdrückt: Ihre Berge - keineswegs Portraits der sie umgebenden Alpen - sind, wie auch im vorliegenden Bild, oft mit starken Farben, unter denen Gelb und ein leuchtendes Rot besonders auffällig hervortreten, wiedergegeben. Die spannungsreich aus groß gegeneinander gesetzten runden Berghügeln und steilen Berghängen mit spitzen Gipfeln aufgebaute Landschaft bildet den Raum für eine gesellschaftliche Szene (Ankunft oder Ausritt eines Paares zu Pferde). Der Gleichklang in der Abfolge der nebeneinander aufgereihten Figuren und Landschaftsdetails wird durch die unterschiedliche farbliche Behandlung gebrochen, wobei das Rot der Jagdröcke des Reiterpaares den koloristischen Höhepunkt bildet und gleichzeitig für die räumliche Entfaltung der Komposition wichtig wird. Die mehr zeichnende, strichelnde Malweise auch dieser Bilder der zwanziger Jahre scheint noch ein später Nachklang des van Gogh-Erlebnisses ihrer Anfangszeit zu sein.
.

Zertifikat

Wir danken Bernd Fäthke, Wiesbaden, der das Werk mündlich bestätigt hat, für freundliche Hinweise.

Provenienz

Ehemals im Münchner Kunsthandel erworben (1960); Bayerische Privatsammlung