Emil Nolde - Blumenstilleben (blau-rot-braun).

Emil Nolde - Blumenstilleben (blau-rot-braun). - image-1
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Emil Nolde

Blumenstilleben (blau-rot-braun).
Um 1948/1950

Aquarell 34 x 23,7 cm Unten rechts signiert

Nach dem II. Weltkrieg, nach der Zeit seines Malverbots, in der die sog. "Ungemalten Bilder" - im Verborgenen gemalte, durch ihren Geruch im Gegensatz zur Ölfarbe unauffällige und kleinformatige Aquarelle - entstanden, wendet sich Nolde wieder verstärkt der Ölmalerei zu. Aber in der Nachkriegszeit entwickelt Nolde ebenfalls neue Folgen von Blumenaquarellen, zu denen auch das vorliegende gehört: ein pyramidal aufgebautes Arrangement aus roten, braunen und blauen Blüten vor dem Hintergrund einer natürlichen Umgebung im Freien. Der das Blumengebinde bestimmende blaue Farbton wird noch durch die einzelnen braunen und roten Blüten intensiviert, in einem solchen Maße, daß die blauen Blumen geradezu bildbestimmend anmuten.
Die Assoziation an die "Blaue Blume" der Romantik mag hier aufkommen, seit Novalis das Hauptsymbol einer ganzen Epoche, und Sinnbild für die unstillbare Sehnsucht. In seinem unvollendet gebliebenen (dennoch 1802 publizierten) Roman "Heinrich von Ofterdingen" träumt der Held von einer gleichsam beseelten blauen Blume, deren Bild ihm fortan Triebfeder auf der Suche nach Liebe, Harmonie und Verständnis bedeutet.
Hinsichtlich der Arbeitsweise Emil Noldes fällt auch bei Erich Franz der Terminus "Romantik":
"Die Ausrichtung der Form auf den einzelnen Gegenstand scheint eher traditionellen Vorstellungen von Bildlichkeit zu entsprechen, die Entrückung des Gegenstandes in eine dem Bild und seinen Mitteln selbst nicht mehr zugängliche Sphäre dagegen modernen. Das Motiv als nicht direkt Anschaubares, sondern als unabschließbarer Prozeß der Verdichtung in unserer Vorstellung hat romantische Züge." (Erich Franz, Innere Bilder, in: Ausst. Kat. Emil Nolde. Aquarelle und figürliche Radierungen, Münster 1992 (Westf. Landesmuseum), S. 19).

Zertifikat

Mit einer Foto-Expertise von Martin Urban, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 24. September 1975

Provenienz

Galerie Thomas, München; Rheinische Privatsammlung

Lot 320 D

Schätzpreis:
110.000 € - 120.000 €

Ergebnis:
119.000 €