Louis Soutter - Fakiristes

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Louis Soutter

Fakiristes
Um 1937 - 1942

Blaue Ölkreide und Tusche 44,1 x 58 cm

Der Schmerz ist in Soutters Werk allgegenwärtig, auch die Askese des Hungerkünstlers und der Verzicht. Auffällig ist bei der vorliegenden Fingermalerei Soutters die Hinterlegung der schwarzen Silhouetten mit einem feinen abstrakten Netz blauer Kreidelinien, die eine Grenze, ein Fenster, ein Gefangensein, ein kosmisches Koordinatensystem assoziieren lassen. Thévoz gelang es, dieses Netzmotiv, das sich im Werk auch früher und stilistisch noch bestimmender wieder findet, durch Deutung, die das Elementare wie Existentielle betont, plausibel werden zu lassen:
"Soutter läßt uns die Fäden eines Stoffes sehen, von dem wir gewöhnlich nur das Dessin kennen. Man denkt an das 'kosmische Netz' von dem Mircea Eliade so oft gesprochen hat, das alle Wesen verbindet und alle Individualitäten wieder in ein Kontinuum eingliedert, in dem die Unterschiede aufgehoben sind. Das Grundmotiv dieses Gewebes, das man unter vielfältigen Formen in den verschiedenen Kulturbereichen findet, stellt für den Menschen eine Art Urbild seiner Situation in der Welt dar. Ebenso wird bei Soutter dieses Aufgehen in die formale Undifferenziertheit manchmal zum Euphemismus als beseligende Verschmelzung, deren Sinnbild die Muttergestalt zu sein scheint. Sogar die bewegtesten Kompositionen sind von einer einzigen Strömung erfaßt, der sich kein Gegenstand, kein Detail entzieht. Die Formen sind durchlässig, sie schmiegen sich der Oberfläche an und schwingen in ihren Wellen als ein homogenes Ganzes mit. Wenn auch in den mit den Fingern gemalten Bildern das Schwarz und das Weiß bis zum äußersten Kontrast gesteigert sind, bilden sie doch eine organische Einheit wie Schuß und Kette in den Strichzeichnungen. [...] Die zweipolige Struktur der mit dem Finger gemalten Gemälde beweist vielleicht noch deutlicher als die der Strichzeichnungen die wesenhafte Wechselbeziehung aller sinnlichen Phänomene." (Michel Thévoz, Schleiere graue Netze aus Liniendünn, Spinnweb..., in: Louis Soutter, Lausanne 1970, S. 73)

Provenienz

ehemals E. Engelberts, Genf; Rheinische Privatsammlung

Literaturhinweise

Engelberts 1965, S. 38 (Angabe des Oeuvrekataloges)

Ausstellung

Solothurn 1965 (Galerie Bernard), Louis Soutter, Dessins, Huiles, Nr. 56 mit Abb.; Köln 1987 - 2006 (Museum Ludwig), private Leihgabe

Lot 362 D

Schätzpreis:
80.000 € - 100.000 €

Ergebnis:
174.000 €