Louis Soutter - Un chat a mort. Rückseitig: Élysée

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Louis Soutter

Un chat a mort. Rückseitig: Élysée
Um 1937 - 1942

Doppelseitige Tuschezeichnung 50 x 64,9 cm

Das "Elysium" ist nach antiker Mythologie ein Ort seliger Geister, insbesonderer ihrer auserwählten Heroen. Soutters mit dem französischen Begriff "Elysée" blau betitelter Figurenfries, im Profil gereiht - man unterscheidet sehr wohl Männchen und Weibchen -, bewegt sich auf einem getupften Fond voller stilisierter Blüten. Angeführt von zwei kleineren, im Bogenformat asymmetrisch nach rechts gestauchten Aktgestalten, sind die Gesten der tänzerischen Promenade auf dem Blütenteppich groß und bewegt. Die suggestive Lebendigkeit der Darstellung beruht auf den ungleichen, wenig geordneten Abständen zwischen den grotesken Figuren und auf dem Eindruck, daß sie dennoch einer klaren rhythmischen Choreographie folgen: wie bei einer lustigen Polonaise ist ein Arm schüttelnd und winkend nach oben geführt, der andere im Wechsel nach unten.
Die andere Seite des Blattes, die "Kehrseite", kontrastiert inhaltlich mit einer schwer deutbaren Szene, die aber durch die drei teuflischen, schwänzigen Gestalten, die Zwitter zwischen Tier (Katze) und Mensch (Frau) darstellen, eher höllischen Charakter hat. Der Tod schient hier gegenwärtig. Die abstrakte konzentrische Kreisform oben rechts korrespondiert, ob Zufall oder Absicht, zur männlichen Figur der anderen Blattseite links wie ein versteckter Heiligenschein.
"Die mit den Fingern gemalten Bilder führen uns ins Unwiederbringliche. Mit unerbittlicher Hellsichtigkeit hat Soutter Schwarz auf Weiß die Zeichen des Bruchs festgehalten. Wir spüren die außerordentliche Spannung, die aus der Gegenüberstellung von unüberbrückbaren Antinomien auf einem einzigen Bild hervorgeht: einerseits übertragen die Arbeiten dem ersten Eindruck zum Trotz eine konkrete Erfahrung unmittelbar ins Bildnerische. Schon durch ihre Technik bewahren sie die Spuren körperlicher Berührung, weil sie, im eigentlichen Sinn des Wortes, Fingerabdrücke sind. Die Hand ist zum lebenden Pinsel geworden. Die gestalteten Formen werden zum unmittelbaren Ausdruck einer Inbesitznahme durch Berührung, die sich im Bild durch ungeheure Hände wiederspiegelt, die die Obsession des Fassens so anschwellen ließ. Diese fiebrigen Bilder können nicht als 'in einer bestimmten Ordnung mit Farben bedeckte Flächen' betrachtet werden: Sie rufen uns mit Hilfe einer Art von Zauber zur Mitwirkung auf. [...]
Man könnte sich noch einmal fragen, ob Soutter nicht von den flimmernden Bildern der Stummfilme verfolgt wurde, die er in den Jahren des Umherirrens mit der Violine zu begleiten pflegte und worauf auch die Überschrift 'Paramount' schließen ließe, die ein mit den Fingern gemaltes Bild trägt. Wenn dies der Fall wäre, könnte man sich gut vorstellen, daß er plötzlich seinen Geigenbogen anhielt, wie er es im Orchestre de la Suisse romande getan hatte, daß er den Fluß der Zeit auf magische Weise unterbrach, um den Film auf einem Bild festzuhalten. Aus seiner gewohnten Verbindung herausgerissen und in absoluter Gegenwart erstarrt, erscheint das Bild plötzlich im Licht des Erstaunens wie eine plötzlich aufgetauchte Wahrheit, die in der Erzählung unbemerkt geblieben war.
Hier ist das zweite Glied der Antinomie, von der wir gesprochen haben. Obwohl diese Bilder den körperlichen Stempel der Wirklichkeit tragen, entgehen sie der irdischen Zeitbestimmung und den üblichen Bedeutungen; sie sind wie vom Traum ausgestrahlt. Die Personen sind in eine andere Welt gestellt als die von Mittel und Zweck, und der Sinn ihrer Gebärden scheint ihnen zu entgehen." (Michel Thévoz, ... Aber am Fenster weiß ich, in meinem Rücken..., in: Louis Soutter, Lausanne 1970, S. 109/110).

Provenienz

ehemals E. Engelberts, Genf; Rheinische Privatsammlung

Literaturhinweise

Engelberts 1965, S. 44 (Angabe des Oeuvrekatalogs)

Ausstellung

Köln 1987 - 2006 (Museum Ludwig), private Leihgabe

Lot 363 D

Schätzpreis:
90.000 € - 100.000 €

Ergebnis:
216.000 €