Auktion 923, Moderne Kunst, 28.05.2008, 00:00, Köln Lot 255

Hans Purrmann, Kirche von Castagnola

Hans Purrmann, Kirche von Castagnola, 1943/44, Auktion 923 Moderne Kunst, Lot 255

Öl auf Leinwand, auf Holz aufgezogen 54,3 x 61,8 cm (Passepartout-Ausschnitt), fest unter Passepartout gerahmt. Unten links schwarz signiert H. Purrmann.

Lenz/Billeter 1943/26, im Archiv unter Nr.126 geführt

Provenienz

Elisabeth Müller, Zürich; Privatbesitz Süddeutschland

Literatur

Ausst. Kat. Hans Purrmann. "Im Kräftespiel der Farben", Christian Lenz (Hg.), Tübingen/Saarbrücken/Schloß Gottorf-Kloster Cismar 2006, S. 37, Farbabb. S. 38

Im Herbst 1935 war Hans Purrmann Direktor der Künstlerstiftung Villa Romana in Florenz geworden und hatte sich so weitgehend der nationalsozialistischen Repression entziehen können. Als die Deutschen in Italien einmarschierten, bekam Purrmann 1943 ein Visum für die Schweiz und zog zuerst ins Tessin nach Castagnola.

"In Castagnola am Luganer See verbringt er den Winter im Hotel Boldt, seit Frühjahr 1944 ist er in Montagnola auf der Collina d'Oro oberhalb von Lugano ansässig und wohnt zunächst im Hotel Bellevue. Um diese Zeit entwickeln sich Freundschaften zu der aus St. Gallen stammenden Teppichkünstlerin Maria Geroe-Tobler und dem ebenfalls in Montagnola ansässigen Schriftsteller Hermann Hesse. " (Felix Billeter, in: Ausst. Kat. Hans Purrmann. "Im Kräftespiel der Farben", op.cit., S. 295)

In Castagnola ist das angebotene Gemälde entstanden. Es zeigt die oberhalb des Sees situierte Kirche San Giorgio in spätes mediterranes Licht getaucht, winterlich unbelaubtes Astwerk legt schmale Schatten über die mittelalterlich-barocke Architektur. In einem kleinen Anschnitt ist der Ausblick auf den Luganer See und das gegenüberliegende Ufer gezeigt, dessen Berge teils schneebedeckt San Giogio wie rahmend hinterfangen. Die Farbgebung changiert zwischen delikaten Lachs- und Ockertönen von Mauerwerk, Ziegeln und Erdboden vor dem taubenblauen Violett der verschatteten Seefläche und des Berggesteins. Das Gemälde "Kirche von Castagnola" markiert Purrmanns Übersiedlung in die Schweiz und läutet gleichsam das furiose farbstarke Alterswerk ein.

"Als ich im ersten Jahr aus Italien nach dem Tessin kam, malte ich den ganzen Winter lang in freier Natur, allerdings war damals ein außergewöhnlicher und angenehmer Winter und ich verbrachte ihn in Castagnola, wo es weit wärmer ist als in Montagnola, da es auf der Sonnenseite liegt." (Hans Purrmann, zit. nach: Ausst. Kat. Hans Purrmann, München 1962, S. 38)

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