Otto Freundlich - Komposition

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Otto Freundlich

Komposition
1927/1929

Pastell und vorbereitende Skizze. dazu: ungerahmte Bleistiftzeichnung 64 x 51 cm monogrammiert

"Mit dem Verzicht auf die Dingwelt als Motive der Malerei ergeben sich also zwei Ursachen oder Wirkungen: die reine Farbfläche und die Freiheit, stark kontrastierende Farbflächen nebeneinander zu stellen. Das sind die beiden Ursachen oder Wirkungen, die den Verzicht auf die gegenständliche Malerei bedingen oder ihm folgen. In Wirklichkeit vollzog sich dieser Prozeß, wenigstens bei mir, indem ich mich zunächst zur reinen Farbfläche entschied und, das Gegenständliche beibehaltend, keine naturalistischen Farbwerte und keine Naturmotive verwendete, sondern ohne Modell erfundene Farbenwerte und Motive. Später, besonders durch die Glasmalerei und das Mosaik, wurden diese Prinzipien immer freier," schreibt Otto Freundlich in seiner Schrift "Die Wege der abstrakten Kunst" 1934 (zit. nach: Uli Bohnen [Hg.], Ein Wegbereiter der gegenstandslosen Kunst. Otto Freundlich. Schriften, Köln 1982, S. 189)
Zu vielen Arbeiten entstanden vorbereitende oder weiter verarbeitende Skizzen, wie auch die das Pastell begleitende vorliegende Bleistiftzeichnung, die vermutlich in Vorbereitung eines späteren Glasfenstentwurfs zu sehen ist. Neben Freundlichs zahlreichen Schriften weisen gerade auch die sehr detailliert beschriebenen Farbentwurfskizzen auf die theoretische Seite seines Schaffens hin, in dem er nämlich bei seinen Arbeiten minutiöse Vorarbeit leistet und offenbar keinen Farbklang dem Zufall überläßt.
"Unklar war, was die Kunst überhaupt noch darstellen sollte, und die Künstler reagierten auf diese Sitation mit einem immer starkeren Rückzug auf die eigensten Mittel ihres Handwerks, auf Linie, Farbe und Form. Die reinen Formen waren ursprünglich - Hegel hatte das beobachtet - ein Index der 'Trennung' von Form und Funktion, von Form und Bedeutung der Kunstwerke. Freundlichs neue Kunst sollte wieder zum Spiegel des Menschenlebens werden, und sie sollte wieder Funktion in der Gesellschaft besitzen. [...] Mit Hilfe der Theorie wollte er aber die bedeutungsferne abstrakte Form genau zu dem erklären, dessen Gegenteil sie ursprünglich war: Körper, Leben, Unmittelbarkeit." (Susanne Deichler, Lebende Bilder? Zur Differenz von Künstlertheorie und abstraktem Bild bei Otto Freundlich, in: Ausst. Kat. Regensburg/Osnabrück 1995/1995, op.cit., S. 67 f.)

Zertifikat

Von Joachim Heusinger von Waldegg und Edda Maillet, Pontoise, mündlich bestätigt

Ausstellung

Berlin 1987 (Orangerie), Otto Freundlich; Hamburg 1991/1992 (Hamburger Kunsthalle), Otto Freundlich; Pontoise 1993 (Musée Pontoise), Otto Freundlich et ses amis, Farbabb. 6; Regensburg/Osnabrück 1994/1995 (Museum Ostdeutsche Galerie/Kulturgeschichtliches Museum), Otto Freundlich - Ein Wegbereiter der abstrakten Kunst, Kat. Nr. 36 mit Farbabb. S. 134; Bonn 2006/2007 (August-Macke-Haus), Otto Freundlich und die Rheinische Kunstszene, Farbabb. S. 204
Literatur: Uli Bohnen (Hg.), Otto Freundlich. Schriften, Köln 1982, S. 143, Farbabb. 7

Lot 90a R

Schätzpreis:
60.000 € - 70.000 €

Ergebnis:
48.000 €