Ernst Barlach - Der singende Mann

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Ernst Barlach

Der singende Mann
1928

Bronzeplastik nach dem Werkmodell von 1928 Höhe 48,9 cm. Unter dem rechten Fuß signiert Barlach sowie darunter mit dem Gießerstempel "H. NOACK BERLIN" versehen. - - Exemplar mit feinziselierter Patina mit Goldschimmer.

Welche prägende Wirkung das Erlebnis des Bauernlebens auf der Rußlandreise von 1906 für Ernst Barlach, sein Leben und sein Werk hatte, sieht man auch noch den Jahrzehnte später entstandenen Plastiken an. Sie sind schlicht in Umriß und Kontur, von großer Natürlichkeit des Ausdrucks, drücken ganz schmucklos und mit wenigen gestischen Andeutungen nur die reine Befindlichkeit und das Temperament der Menschen aus und verzichten auf jedes beiläufige oder gar dekorative Detail. Insofern werden sie mehrdeutig, wie das Bert Brechts Sicht auf diese Plastik belegt. Wird sie sonst meist als Sinnbild der Kontemplation, der heiteren Weltvergessenheit eines jungen Sängers verstanden, erkannte er neue Qualitäten: "Der singende Mann singt kühn, in freier Haltung, deutlich arbeitend an seinem Gesang. Er singt allein, hat aber anscheinend Zuhörer. Barlachs Humor will es, daß er ein wenig eitel ist, aber nicht mehr, als sich mit der Ausübung von Kunst verträgt." (Ausst.Kat. Kunsthalle Köln 1974, "Ernst Barlach. Plastik, Zeichnungen, Druckgraphik," zit. nach: Handbuch Museum Ludwig, Hg. Karl Ruhrberg, S. 74).
Die Plastik geht auf eine Zeichnung aus dem Jahre 1912 zurück, die sich ehemals in der bekannten Barlach-Sammlung von Fritz Niescher, Aachen befand (Schult III, 966); 1918 hat der Künstler das Motiv für einen der relieftondo-ähnlichen Illustrationsenwürfe (wohl im Zusammenhang mit der Publikation des "Armen Vetter") verwendet (Schult III, 1284, Güstrow, Nachlaß). In dieser Plastik gelang ihm dann ein Werk heiterer Gelöstheit, wie es in seinem Oeuvre selten zu finden ist.

Werkverzeichnis

Schult I, 343

Provenienz

Norddeutsche Privatsammlung; Privatsammlung München

Literaturhinweise

u.a.: Ernst Barlach, Ein selbsterzähltes Leben, 1928, Tafel 69; Carl Dietrich Carls, Ernst Barlach. Das plastische, graphische und dichterische Werk, Berlin 1931, S. 45 (1934 S. 49; 1950 S. 61); Omnibus, Almanach für das Jahr 1932 (Vierteljahresschrift der Galerien Alfred Flechtheim), S. 53: Les Beaux Arts, Brüssel, 8.3.1935, S. 14 (mit dem Titel "Femme chantant"); Kunsthalle Mannheim, Bestandskatalog Skulptur - Plastik - Objekt, Mannheim 1982, S. 65 und 440; Museum am Ostwall Dortmund, Kunst des 20. Jahrhunderts, Dortmund 1984, S. 16 f.; Museum am Ostwall Dortmund, Meisterwerke des Expressionismus und der Klassischen Moderne, Dortmund 1985, S. 32 f.; Kunsthalle Kiel, Katalog der Bildwerke - Aus dem Besitz der Kunsthalle zu Kiel, Rendsburg 1986, S. 30 f.; Museum Ludwig Köln, Gemälde, Skulpturen, Environments vom Expressionismus bis zur Gegenwart, Bestandskatalog, Köln 1986, S. 19; Kunsthalle Hamburg, Die Dritte Dimension. Plastiken, Konstruktionen, Objekte. Bestandskatalog der Hamburger Kunsthalle, Hamburg 1988, S. 92; Heinz Spielmann (Hg.), Stiftung und Sammlung Rolf Horn, 2.Aufl., Schleswig 1995, Nr. 120; Anita Beloubek-Hammer, Ernst Barlach, Plastische Meisterwerke, Leipzig 1996, S. 116 f.; H. Thieme, Ernst Barlachs Skulptur "Der singende Mann" in der Ausstellung "Neue deutsche Kunst", Oslo 1932, in: Kat. Rostock 1998, Ernst Barlach, Artist of the North, Güstrow 1998, S. 310 ff.; Peter Thurmann, Zwei Holzbildwerke von Ernst Barlach und der Kulminationspunkt seiner Bildhauerkunst, in: Entdeckungen in der Hamburger Kunsthalle, Hamburg 1999, S. 60 - 64

Ausstellung

u.a. Berlin und Düsseldorf 1930 (Galerie Alfred Flechtheim), Bronzen von Ernst Barlach, Kat. Nr. 19; New York 1931 (auch 1939, Museum of Modern Art), Art in our Time; New York 1938 (Buchholz Gallery); Rostock 1945 (Städt. Museum), Kat. Nr. 85; Celle 1946, Befreite Kunst; Schwerin 1947 (Landesmuseum), Kat. Nr. 71; Berlin 1948 (Galerie Franz), Kat. Nr. 20; Hamburg 1948 (Galerie Rudolf Hoffmann), Kat. Nr. 14; Darmstadt 1951 (Mathildenhöhe), Ernst Barlach - Dramatiker, Bildhauer, Zeichner, Kat. Nr. 27; Berlin 1951/1952 (Deutsche Akademie der Künste), Kat. Nr. 54; Hannover 1952 (Kestner-Gesellschaft), Ernst Barlach - Die Sammlung Hermann F. Reemtsma, Kat. Nr. 30; Turin 1954 (Museo Civico), Espressionismo e arte tedesca del 20° secolo, Kat. Nr. 287; Lincoln/Nebraska 1955 (University of Nebraska Art Galleries), Kat. Nr. 18; Bremen 1959 (Kunsthalle Bremen), Kat. Nr. 34; Bergen und Güstrow 2000 (Kunstmuseum Bergen, Ernst Barlach Stiftung Güstrow), Ernst Barlach, Ein Graphiker und Bildhauer des deutschen Expressionismus, Kat. Nr. 92

Lot 12 D

Schätzpreis:
100.000 € - 120.000 €

Ergebnis:
156.000 €