Egon Schiele - Zwei liegende Akte

Egon Schiele

Zwei liegende Akte
1917

Kohlezeichnung 29,8 x 46 cm

"Die Anzahl an Akten, die Schiele 1917 zeichnete, übertrifft spielend das Gesamtergebnis früherer, weniger fruchtbarer Jahre. Da er 1915 und 1916 nur wenige Akte schuf, ist der Einfluß des naturalistischeren Stils auf diesen Bereich seines Oeuvres erst 1917 voll und ganz sichtbar. [...] In den Zeichnungen von 1917 sind die Modelle genau wiedergegeben und manchmal sogar erkennbar, doch sind sie weder besonders beteiligt noch liebenswürdig. [...] Die Modelle spreizen die Beine, liebkosen einander oder masturbieren mit der Distanziertheit berufsmäßiger Darsteller. Schiele - und in seiner Erweiterung der Betrachter - sind nicht mehr Teilnehmer in einem Prozeß sexueller Erkundung, sondern bloß Voyeure. Kein Zufall, daß Akte aus Schieles später Schaffensperiode bei Sammlern immer sehr begehrt waren." (Jane Kallir, Egon Schiele. Aquarelle und Zeichnungen, Wien 2003, S. 390 f.)
Die zwei Mädchenakte der vorliegenden Arbeit sind von knabenhaftem Wuchs und in homoerotischer, zärtlich-lässiger Umarmung verstrickt. Die Kohlezeichnung ist auf den Umriß konzentriert, spärlich gibt die Binnenzeichnung rudimentäre Detailinformationen. Dennoch stellt sich ein räumlich komplexes, aber nur schwer zu entwirrendes Konstrukt dar und unterstreicht den ornamentalen Charakter der Darstellung.

Werkliste

Kallir 2026

Provenienz

Rheinische Privatsammlung

Ausstellung

München (um 1980) (Galerie Schweinsteiger), Expressionisten, Kat. Nr. 94 mit Abb.; Salzburg 1986 (Galerie Welz), Oskar Kokoschka und Maler der klassischen Moderne in Österreich, Kat. Nr. 84 mit Abb.

Lot 203 Rα

Schätzpreis:
120.000 € - 150.000 €

Ergebnis:
168.000 €