Otto Dix - Zigeunerkind mit Ziege

Otto Dix - Zigeunerkind mit Ziege - image-1
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Otto Dix

Zigeunerkind mit Ziege
1949

Öl auf Hartfaserplatte 81 x 65 cm Gerahmt. Unten rechts blaugrün mit dem Künstlersignum versehen und datiert '49'. Rückseitig zusätzlich mit dem Künstlersignum, datiert und betitelt 'Zigeunerkind mit Ziege'. - Die obere rechte Ecke etwas bestoßen mit partiellem Farbverlust. Die Ränder rahmungsbedingt zum Teil berieben.

1936 ließ sich Otto Dix dauerhaft in Hemmenhofen am Bodensee nieder und bezog mit seiner Familie ein eigenes Haus. Das Landleben, das Dix in Hemmenhofen umgab, findet sich in seinem nach Kriegsende entstehenden Oeuvre in bäuerlichen Stillleben aus Blumen und Feldfrüchten und in Landschaftsansichten mit Felden und Weiden wieder. Er porträtierte die Menschen und die Tiere dieser Gegend, gelegentlich auch gemeinsam, wie etwa in dem Gemälde „Mädchen mit Hühnern“ von 1949 (Löffler 1949/22). Aus dem gleichen Jahr datiert das hier vorgestellte Bildnis eines Mädchens mit seiner Ziege - ein scheinbar banales Motiv, das Dix zum Anlass nimmt für eine ungewöhnliche, expressive Komposition.
Das Mädchen, das dem Betrachter mit zweifelndem Blick begegnet, schmiegt sich schutzsuchend an das Tier. Und tatsächlich scheint die Ziege mit ihren gesenkten Hörnern und dem gesträubten Rückenfell zum Angriff bereit, die gebleckten Zähne und der angriffslustige Blick verleihen ihr einen geradezu menschlich anmutenden, verschlagenen Gesichtsausdruck. Auch farblich spielt der Künstler mit Dissonanzen. Die violetten und grünen Töne des Kinderkleides setzen sich in den verschatteten Bereichen ihrer Beine und des Oberkörpers, in den Ziegenhörnern und Schattierungen des Fells fort.

Die Gemälde „Zigeunerkind mit Ziege“ und „Hahn und Hühner“, ebenfalls von Otto Dix (siehe Los 158), stammen aus der ehemaligen Sammlung von Heinz Pachen (1922-2006), aus der wir 16 weitere ausgewählte Werke in unserer Auktion 1163 am 9. Dezember 2020 anbieten werden. Mit großer Leidenschaft und begrenzten finanziellen Mitteln baute Heinz Pachen zusammen mit seiner Frau Hella eine ca. 4000 Werke umfassende Kollektion moderner und zeitgenössischer Kunst auf. Zuerst als Dauerleihgabe im Mittelrheinmuseum in Mainz ausgestellt, wurden die Kunstwerke 1996 in ein eigenes Sammlermuseum im rheinland-pfälzischen Rockenhausen überführt. Nicht zuletzt in den angebotenen plastischen Arbeiten mit Werken von Emy Roeder (Lose 462, 464), Renée Sintenis (Los 480) oder Bernhard Heiliger (Los 382) zeigt sich die besondere Qualität der Sammlung.

Werkverzeichnis

Löffler 1949/4

Provenienz

Sammlung Pachen, Mainz/Rockenhausen

Literaturhinweise

Hans Hofstätter, Sammlung Pachen. Deutsche Kunstwerke aus dem 20. Jahrhundert. Malerei, Graphik, Plastik, Mainz 1960, S. 18 mit Farbabb. S. 19

Ausstellung

Mainz 1962 (Gemäldegalerie), Sammlung Pachen. Gemälde - Graphik - Plastik, Kat. Nr. 19 mit Abb.; Mainz 1978 (Mittelrheinisches Landesmuseum), Sammlung Pachen. Eine Auswahl, Kat. Nr. 16

Lot 157 D

Schätzpreis:
40.000 € - 50.000 €

Ergebnis:
40.000 €