Emil Nolde - Rote Blüten

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Emil Nolde

Rote Blüten
1925/1930

Aquarell. Mit Expertise 35,3 x 46,8 cm - Mit zu glättenden Falten und Knitterungen.

Prachtvolle, großansichtig auf das Blatt gesetzt, vermitteln die in fein abgestimmten Rot-Orange-Valeurs gezeigten Blüten eine den Betrachter unmittelbar ansprechende Präsenz. Vermutlich sind hier Dahlien dargestellt, typische Bauerngartenblumen, die im Herbst in jeder zu denkenden Farbschattierung von dunkelstem Rot bis Hellgelb blühen und allein schon durch diesen Variantenreichtum jedem Maler leuchtende Motive bieten.
Unser Aquarell wird in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre entstanden sein, in der Zeit, in der Emil und Ada Nolde von Utenwarf umzogen auf ein Grundstück mit Hof, das sie Seebüll nannten.
"Den schönen kleinen Utenwarfer Garten hatten wir verlassen müssen. Und hier? Es war die Warft mit ihrem Haus, davor der ovalrunde Feting, der während der Jahrhundertwende als Wasserbehälter für Tiere und Menschen diente, und sonst nur waren nackte grüne Felder um unser Haus herum. Ein Stück solches Grasfeld sollte unser Garten werden, ein hartes Beginnen, aber es mußte gelingen." (Emil Nolde, Mein Leben, Köln 1976, S. 374)
Wie prächtig dieser Garten gelang, dokumentierte Nolde über Jahre hinweg zu jeder Jahreszeit mit seinen reichen Schilderungen. 1927, im Jahr ihres Umzugs, wurde eine große Ausstellung seiner Werke in Dresden gezeigt, die von manchen Rezensenten verrissen wurde, aber in "Kiel jedoch, Essen und Wiesbaden war es schön und auch viel Anregendes wurde gesagt und geschrieben." (Ders., ebenda, S. 371) Nach Essen war die europaweit bekannte Folkwang-Sammlung, die Karl Ernst Osthaus in Hagen zusammengetragen hatte, umgezogen und wird für den jungen Museumsdirektor Werner Kruse im benachbarten Mülheim/Ruhr von großem Interesse gewesen sein. Zu welchem Zeitpunkt er das vorliegende Aquarell erwarb, ist nicht mehr genau zu rekonstruieren, interessant ist aber immerhin, daß er als Kunsthistoriker und Museumsmann dieses Blatt für seine eigene Sammlung auswählte. Im Städtischen Museum Mülheim, dessen Direktor er 1922 wurde, wußte er kunstgewerbliche Gegenstände der Region mit Kunstwerken zeitgenössischer Künstler wie Franz Marc, August Macke, Karl Hofer und eben Emil Nolde im Einklang miteinander auszustellen, wie ein Bericht in der Kölnischen Zeitung hervorhob (s. Chronik des Städtischen Museums Mülheim an der Ruhr 1909 bis 1979, o.S.). Werner Kruse förderte Künstler auf vielfältige Weise und stellte auch nach 1933 noch Maler aus, die mittlerweile als 'entartet' galten, wie Christian Rohlfs, Otto Pankok oder Schmidt-Rottluff (s. auch lot 1072 dieser Auktion: Karl Schmidt-Rottluff, "Stilleben mit Flaschen und Äpfeln" aus derselben Provenienz).

Zertifikat

Mit einer Foto-Expertise von Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, Seebüll, 20. September 2009

Provenienz

Vom Künstler direkt erworben, Sammlung Dr. Werner Kruse, Direktor des Städtischen Museums Mülheim/Ruhr (1922); seitdem Privatbesitz

Lot 1008 D

Schätzpreis:
60.000 € - 70.000 €

Ergebnis:
132.000 €