Hermann Max Pechstein - Blumenstilleben mit chinesischem Buddha

Hermann Max Pechstein - Blumenstilleben mit chinesischem Buddha - image-1
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Hermann Max Pechstein

Blumenstilleben mit chinesischem Buddha
1923/1924

Öl auf Leinwand. 96,3 x 69,8 cm

Für Max Pechstein - wie für viele andere Künstler - hatte sich nach dem I. Weltkrieg vieles verändert. Er war nun, nach dem Auseinanderfallen der Künstlergemeinschaft "Brücke", künstlerisch auf sich selbst gestellt, trennte sich von seiner ersten Frau und dem unredlich gewordenen Vertragshändler, mit dem er sich gerichtlich auseinandersetzte. Pechstein heiratete erneut und mußte viel Zeit dafür einsetzen, selbst alle Ausstellungsvorhaben zu unterstützen und Verkäufe abzuschließen. Künstlerisch setzte er - inzwischen Mitglied der Preußischen Akademie der Künste geworden und mit dem Professorentitel ausgestattet - ganz folgerichtig wieder da an, wo er vor dem Kriege aufgehört hatte: Nachdem er das miterlebte Kriegsgeschehen hauptsächlich in seiner Druckgraphik (berühmt die Folgen "Somme 1916" (8 Radierungen von 1916) sowie "Lithos 1917" (12 Kriegslithographien) verarbeitet und auch den Verlust der Werke von der kriegsbedingt abgebrochenen Südsee-Reise 1914 durch Aufarbeiten nach einfachsten Skizzen in zahlreichen Gemälden und Aquarellen aufgeholt hatte, begann er mit verhaltener Expressivität sein Werk fortzuführen: In der Farbigkeit stark noch an die Brücke-Zeit erinnernd, scheint er sich mit den Darstellungen und Motiven seiner Gemälde den Sammlerwünschen und dem Gebot der Verkäuflichkeit und Auftragslage in wirtschaftlich schwieriger Zeit angepasst zu haben. Kategorien wie das Portrait oder Blumenstilleben spielten da nach wie vor eine große Rolle. In diesem Zusammenhang ist auch das hier angebotene Blumenstilleben entstanden, möglicherweise sogar als ein dem Schweizer Arzt und Sammler Dr. Walter Minnich, Montreux zugedachtes Werk, den er Mitte der 1920er Jahre mehrfach besuchte und der ihm das Überleben damals ermöglichte.
"Blumenstilleben mit chinesischem Buddha" erfüllt den klassischen Anspruch an ein Blumenstilleben: Vor einem des Kontrastes wegen dunkel angelegten Hintergrund wachsen Blumen der verschiedensten Arten aus einer schlanken Vase hoch und entfalten ihre dekorative Farbenpracht, wobei allzu große Detailgenauigkeit in der Gestaltung von Blüten und Blättern bewußt vermieden wurde. Der als kleiner Akzent unten rechts plazierte hölzerne "Buddha" - als solcher gar nicht genau zu erkennen - ist nicht als Besitz Max Pechsteins bekannt und hat sich demgemäß nicht im Nachlaß befunden, was auch Julia Pechstein, die Enkelin des Malers, vermuten läßt, daß er möglicherweise aus der Sammlung Dr. Walther Minnich stammte, denn diese Figur erscheint auf mehreren Zeichnungen aus der Zeit von Pechsteins Aufenthalten in der Schweiz.

Werkverzeichnis

Das Gemälde wird in das in Arbeit befindliche Werk

Zertifikat

Mit einer Foto-Expertise von Max K. Pechstein, dem Sohn des Künstlers, Hamburg, vom 20.12.1997

Provenienz

Michael Jary, Schweiz; Süddeutscher Privatbesitz (1987); Privatbesitz Bodensee

Ausstellung

Oldenburg/Aschaffenburg 2008/2009 (Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg/Kunsthalle Aschaffenburg), Einhundert Jahre "Brücke" in Oldenburg, Expressionismus - Auftakt zur Moderne in der Natur, mit ganzseitiger Abb. S. 87

Lot 1013 R

Schätzpreis:
50.000 € - 60.000 €

Ergebnis:
66.000 €