Maurice de Vlaminck - Village

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Maurice de Vlaminck

Village

Öl auf Leinwand 33 x 41 cm - Mit 3 winzigen Retuschen und einer am linken Seintenrand

Maurice de Vlaminck, der seinen Lebensunterhalt u.a. als Radprofi und Violinist verdiente, bevor er sich dann hauptsächlich der Malerei zuwandte, hat neben seinem großen künstlerischen Oeuvre auch zahlreiche Bücher geschrieben. Geschwindigkeit war es, die ihn lebenslang faszinierte, und besonders in seinen nach dem I. Weltkrieg entstandenen Werken ist diese Faszination recht deutlich. Von Paris aufs Land gezogen - erst nach Valmondois, darauf nach Rueil-La-Gadelière -, wurden Dorflandschaften in der Malerei und im graphischen Werk eines seiner vorrangigen Motive.
"Hatte er [die Landschaft] mit jungendlichem Temperament und unter Einfluß seiner Malerfreunde durch Verwendung greller Farben und verfremdender Konturierung zum Klingen gebracht, wurde sie in späteren Jahren mehr und mehr zur 'Nature Morte', zum Stilleben voller Melancholie und einer gewissen Düsternis. [...] 'Was für ein merkwürdiger Mensch!' äußerte Florent Fels schon 1922. [...] Auf der einen Seite das ungeheure Temperament des jungen Mannes, [...] der dem Radsport huldigte und später seine Freunde mit wilden Motorradfahrten in Schrecken versetzte, der eine Familie gründete, der fünf Töchter entsprossen, der in Kaffehäusern und im Theater musizierte, der im Laufe seines Lebens zwanzig Bücher schrieb, den Krieg haßte [...]." (Gerhart Söhn, in Ausst. Kat. Maurice de Vlaminck. Auswahl aus dem Graphischen Werk, Düsseldorf 1987, S. 3 f.)
Dieser 'merkwürdige' Mensch, dessen ungestümes Temperament und dessen Liebe zu Automobilen und Motorrädern sprichwörtlich ist, wendet sich der ländlichen Abgeschiedenheit zu und beschränkt sich in seiner Palette und in seinen Themenkreisen. Eigentlich gilt es den oben verwandten Terminus 'Nature Morte' hinsichtlich der angebotenen Dorflandschaft zu modifizieren. Denn im Grunde genommen ist sie alles andere als still. Vielmehr wird erzählt von herbstlich gefallenem Regen, der sich in großen blauen Lachen auf den grünen Wiesen spiegelt, von dem Wolken jagenden starken Wind, der jahrein, jahraus die starken Bäume krümmt und ihre unbelaubten Kronen zerzaust und unter dem sich selbst die rot gedeckten Häuser zu ducken scheinen. Hier wird von intakter Natur erzählt und das in rasantem Tempo.

Zertifikat

Mit einer Foto-Expertise vom Wildenstein Institute, Paris, 9. Dezember 1999 (in Kopie); das Gemälde wird in den in Vorbereitung befindlichen Catalogue Raisonné von M. Vallès-Bled und G. de Vlaminck aufgenommen

Provenienz

Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Ausstellung

Brüssel 1944 (Galerie Louis Manteau), Quelques Vlaminck (mit Aufkleber auf dem Keilrahmen)

Lot 1094 D

Schätzpreis:
30.000 € - 40.000 €

Ergebnis:
54.000 €