Oberrheinischer Meister Ende 15. Jahrhundert - HORTUS CONCLUSUS MIT EINHORNJAGD UND WURZEL JESSE

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Oberrheinischer Meister Ende 15. Jahrhundert

HORTUS CONCLUSUS MIT EINHORNJAGD UND WURZEL JESSE

Öltempera auf Holz, auf neuzeitlichem Holz montiert. 124 x 84 cm.

Der Kreidegrund ist mit Leinwand unterlegt, deren Struktur durch die Malschicht hindurch erkennbar ist. Ebenfalls erkennbar ist die Vorzeichnung, insbesondere im helleren Bereich.
Das Darstellungsthema ist aus spätgotischer Zeit durch Druckgraphiken und Gemälde überliefert, wobei unser Gemälde auch unterstützt durch seine Provenienz aus Basel wohl am ehesten dem oberrheinischen Kunstraum zuzurechnen ist. Es bietet dem andächtigen Betrachter eine detailreiche Beschreibung der Menschwerdung und des Erlösungswerks Christi sowie der heilsgeschichtlichen Bedeutung der Gottesmutter Maria.
Der umfriedete und mit einem Tor verschlossene Garten "Hortus conclusus" dient als Sinnbild der Jungfräulichkeit Mariens, auf die auch zahlreiche auf den Schriftbändern zu findende lobpreisende Zitate aus dem alttestamentarischen Hohelied Salomos verweisen. In der Mitte des Gartens ist zur Rechten die Gottesmutter zu sehen, die in einer Demutsgeste ihre Hände vor der Brust verschränkt. In ihren Schoß flüchtet sich ein Einhorn, das von einem hornblasendem und von vier Hunden begleitetem Engel verfolgt wird; das Einhorn ist ebenfalls ein Symbol der Jungfräulichkeit.
Dass Maria als Klammer zwischen Altem und Neuem Testament, als Brücke zwischen der Zeit der Verheißung und der Erfüllung, gesehen wird, verdeutlicht darüberhinaus die kompositorisch hinzugefügte Darstellung der Wurzel Jesse im oberen Teil unseres Gemäldes. Sie ist hier in der Form eines Weinstocks, ausgeschmückt mit Bundeslade und Opfertisch, gestaltet und mündet in der Darstellung Christi als Schmerzensmann mit der Beischrift: "Ego sum vitis vera vos palmites" (Ich bin der wahre Weinstock, ihr die Reben). Auf diese Aussage beziehen sich auch die Darstellung von zehn Propheten mit ihren Schriftbändern.
Außerhalb des Gartens sind am unteren Bildrand die Figuren der knienden und anbetenden Stifter eingefügt, wobei die Wappen mit Stieglitz (?) und Eberkopf bisher nicht gedeutet werden konnten.

Provenienz

Privatsammlung Basel. - 1995 erworben bei Fischer, Luzern.

Literaturhinweise

Beat Wyss: Vier Hortus Conclusus-Darstellungen im Schweizerischen Landesmuseum. In: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 20, 1960, S. 113-124, hier S. 123. - Lexikon der christlichen Ikonographie. Bd. 4, Freiburg 1972, Sp. 556. - Jürgen W. Einhorn: Spiritalis Unicornis. Das Einhorn als Bedeutungsträger in Literatur und Kunst des Mittelalters, München 1976, S. 361, Nr. 333. - Zu ähnlichen Gemälden und der Ikonographie siehe z. B. Uta Henning: Zur "mystischen Einhornjagd" in Friesach: "Gut Jäger durch Himmels Thron". Eine spätmittelalterliche Bild- und Liedmetapher. In: Carinthia 189, 1999, S. 177-199.

Ausstellung

Spätmittelalter am Oberrhein, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe 2001/2002 (außer Katalog). - Stadtmuseum Lindau 2007, Nr. 13.

Lot 1511 Dα

Schätzpreis:
80.000 € - 100.000 €

Ergebnis:
132.000 €