Kölnisch-Niederrheinischer Meister 1478 datiert - DIE VISION DES HEILIGEN BERNARD VON CLAIRVAUX

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Kölnisch-Niederrheinischer Meister 1478 datiert

DIE VISION DES HEILIGEN BERNARD VON CLAIRVAUX

Tempera auf Nußbaumholz, parkettiert. 75,3 x 59,4 cm.

1917 veröffentlicht erstmals Walter Bombe unser Bild, das sich zu diesem Zeitpunkt in der Kölner Sammlung Richard von Schnitzler befand. Er hielt es für ein Frühwerk des Bartholomäusmeisters. Während es Förster danach dem Kölner "Meister der Verherrlichung Mariens" zuordnete, sah Stange einen niederrheinischen Maler am Werk und schrieb es dem "Meister des Münsterer Nikolaustodes" zu. In der Ausstellung "Genie ohne Namen" von 2001 wurde es schließlich als Werk eines anonymen niederrheinischen oder niederländischen Malers präsentiert: "Der naive Charme des Bildes deutet auf einen noch jungen Maler hin; als Kunstlandschaft kommen der Niederrhein bzw. die niederländisch-deutsche Grenzregion in Frage". Vielleicht wird sich die Frage nach dem Namen des Künstlers tatsächlich nie beantworten lassen, gewiss ist jedoch, dass seine Bilderfindung von 1478 immerhin so viel Aufmerksamkeit erhielt, dass schon kurz danach, nämlich um 1480 und wohl in Köln, ein Metallstich nach seinem Bild entstand. Das Blatt, bisher nur in einem einzigen Exemplar im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg überliefert, ist ein besonders interessantes Beispiel früher Reproduktionsgraphik (P. Pieper 1970).
Das Gemälde zeigt den Heiligen Bernhard in einer Szene, bei der nach der Legende Maria das auf dem Spruchband festgehaltene Gebet Bernhards "Mostra te esse matrem" (zeige, daß du die Mutter bist) beantwortet und zwar indem sie seine Lippen mit der Milch ihrer Brust benetzt. Dieses Bildmotiv erfuhr am Niederrhein im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts eine besonders starke Verbreitung. Unser Bild gehört zu den frühen Versionen des Themas. Kompositorisch sehr ähnlich ist das später entstandene Gemälde von Joos van Cleve im Louvre (Cécile Scailliérez, Joos van Cleve au Louvre, 1991).
Bernhard von Clairvaux (1091-1153) war der Gründer des Zisterzienserordens; im Rheinland sollen 68 Klostergündungen auf ihn zurückgehen.

Provenienz

Kleinberger Paris/New York. - Sammlung Richard von Schnitzler, Köln. - Sammlung Kisters, Kreuzlingen.

Literaturhinweise

E. Lüthgen u. W. Bombe: Die Sammlung Dr. Richard von Schnitzler in Cöln, Leipzig 1917, S. 41, Abb. 5. - Eugen Lüthgen: Rheinische Kunst des Mittelalters aus Kölner Privatbesitz, Bonn/Leipzig 1921, S. 41. - Harald Brockmann: Die Spätzeit der Kölner Malerschule. In: E. Lüthgen (Hg.), Forschungen zur Kunstgeschichte Westeuropas, Bd. VI, Bonn/Leipzig 1924. - Otto H. Förster: Die Sammlung Richard von Schnitzler, München 1931, S. 24. - Wallraf-Richartz Jahrbuch 1952, S. 100-101, Abb. 81. - Alfred Stange: Deutsche Malerei der Gotik, Bd. 6, 1954, S. 52, Abb. 91. - Paul Pieper, Rezension der Ausstellung "Herbst des Mittelalters", in: Kunstchronik Heft 9, 1970, S. 242.

Ausstellung

Kölnischer Kunstverein, Köln 1922. - Jahrtausend-Ausstellung der Rheinlande, Köln 1925, S. 204. - "Herbst des Mittelalters. Spätgotik in Köln und am Niederrhein", Köln 1970, S. 140-141, Nr. 323. - "Joos van Cleve au Louvre", Paris 1991, S. 25, Abb. 18. - "Genie ohne Namen - Der Meister des Bartholomäusaltares", Köln 2001, S. 336, Abb. S. 337. - "Bernhard von Clairvaux", Abteimuseum Kloster Eberbach 2003, S. 74-75. - "Die Anfänge der Europäischen Druckgraphik", Nürnberg 2005/2006, S. 270. - Stadtmuseum Lindau 2007, Nr. 17.

Lot 1514 Dα

Schätzpreis:
35.000 € - 40.000 €

Ergebnis:
96.000 €