Jakob Becker - HEIMKEHRENDE SCHNITTER

Jakob Becker - HEIMKEHRENDE SCHNITTER - image-1
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Jakob Becker

HEIMKEHRENDE SCHNITTER

Öl auf Leinwand (doubliert). 135,5 x 210 cm.
J. Becker Frankfurt.

Unser Gemälde ist mit großer Wahrscheinlichkeit mit der Nr. 22 der Werkliste von Boetticher zu identifizieren. Hierfür spricht insbesondere die Provenienz: Es befand sich nach Boetticher 1891 im Besitz des Consuls Böker in New York. Weizsäcker wiederholt 1909 diese Standortangabe, danach verlieren sich seine Spuren. Da unser Gemälde aus nordamerikanischem Besitz kommt, liegt es nahe, dass es sich um das von Boetticher und Weizsäcker beschriebene Gemälde "Heimkehrende Schnitter" handelt. Ein von Boetticher erwähnter Stich von Karl Deucker nach diesem Bild, für den Kunstverein Thüringen angefertigt, konnte bisher nicht gefunden werden. Arbeiten dieses Stechers nach Gemälden Beckers im Graphischen Kabinett des Städel zeigen einzelne Motive der Komposition, aber nicht das gesamte Bild. Eine Variante des Themas, bei der der kleine Wagen fehlt, befand sich im Besitz von Frau von Lucius, einer Tochter des Malers, und eine Kartonstudie, ebenfalls mit leicht abgewandelten Figuren, verwahrt das Firmenarchiv der ehemaligen Hoechst AG in Frankfurt. Weizsäcker erwähnt darüber hinaus eine dazugehörige Farbskizze, die sich 1909 im Besitz des Enkels, Dr. Robert von Lucius, befand und deren Verbleib heute unbekannt ist.
Aufgrund seines Formats und der Qualität stellt unser Gemälde ein herausragendes Beispiel der Malerei Jakob Beckers dar. Einzelne Motive des Bildes finden sich auch in anderen Werken wieder, etwa der Heuwagen im Gemälde "Heimkehr aus dem Walde" oder die Figurengruppe links mit dem kleinen Kind in der "Glücklichen Familie".
Die Malerei Jacob Beckers pflegte, so Weizsäcker, ein "ideales Volksbild", das sich von der realistischen Bauernmalerei unterscheide, da hier eine "bewußte Methode gegenüber tritt, die wählt und ordnet und nicht nur die natürliche, sondern vor allem auch die gefällige Form betont. Damit verbindet sich eine eben so bewußt ausgeübte Kunst zu componieren. Ein Bild wie beispielsweise die "Heimkehr der Schnitter", ein Zug von Feldarbeitern, der in fröhlichem Getümmel dem Feierabend entgegeneilt, wirkt wie der Schlußsatz einer großen Symphonie, in jubelnder, stürmischer Bewegung voranschreitend und doch gehalten vom festen Gefüge eines harmonisch und rhythmisch gegliederten Ganzen".
1842 zog Jakob Becker von Düsseldorf, wo er an der Akademie unter Schadow studiert hatte, nach Frankfurt und übernahm dort 1844 ein Lehramt an der Städel-Schule. Eine mögliche Datierung unseres in Frankfurt entstandenen Gemäldes ist in den späten 40er und frühen 50er Jahren anzunehmen, da danach seine künstlerische Produktion wegen der Lehrtätigkeit und gesellschaftlicher Verpflichtungen deutlich abnahm.
Wir danken Herrn Dr. Christoph Andreas, Kunsthandlung J. P. Schneider, Frankfurt, und Frau Dr. Jutta Schuett, Graphische Sammlung des Städel, Frankfurt, für wertvolle Hinweise zur Katalogisierung dieses Gemäldes.

Provenienz

Wohl Sammlung Consul Böker, New York (vor 1890). - Nordamerikanische Privatsammlung.

Literaturhinweise

Friedrich von Boetticher: Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Bd. I, Dresden 1891, S. 59, Nr. 22. - Heinrich Weizsäcker, Albert Dessoff: Kunst und Künstler in Frankfurt a. Main im 19. Jahrhundert, Frankfurt 1909, Bd. 2, S. 10.

Lot 1912 Dα

Schätzpreis:
120.000 € - 130.000 €

Ergebnis:
132.000 €