Auktion 962, Moderne Kunst, 02.06.2010, 00:00, Köln Lot 482

August Macke, Spaziergänger am See

August Macke, Spaziergänger am See, 1913, Auktion 962 Moderne Kunst, Lot 482
August Macke, Spaziergänger am See, 1913, Auktion 962 Moderne Kunst, Lot 482
August Macke, Spaziergänger am See, 1913, Auktion 962 Moderne Kunst, Lot 482
August Macke, Spaziergänger am See, 1913, Auktion 962 Moderne Kunst, Lot 482
August Macke, Spaziergänger am See, 1913, Auktion 962 Moderne Kunst, Lot 482
August Macke, Spaziergänger am See, 1913, Auktion 962 Moderne Kunst, Lot 482

Tuschpinsel- und Federzeichnung mit Bleistiftkorrekturen auf dünnem pergamentartigen Papier 32,2 x 26,8 cm, unter Glas gerahmt. Unten rechts mit brauner Tinte signiert Aug. Macke. - Materialbedingt wellig, das Papier gebräunt mit sehr schmalem Lichtrand. Der rechte Rand mit einzelnen winzigen Ausrissen, die oberen Ecken mit hellen, nach vorne durchscheinenden Spuren der rückseitigen Montierung.

Nicht bei Heiderich

Mit einer Bestätigung von Ursula Heiderich, Syke, vom 16. April 2010

Provenienz

Vom Vorbesitzer bei dem früheren Direktor des Märkischen Museums Witten, Peter Emil Noelle, zu Beginn der 1950er Jahre erworben; seitdem in Familienbesitz

Ende September 1913 reist August Macke mit seiner Familie an den Thuner See und bezieht das "Haus Rosengarten" in Hilterfingen; unter dem Dach schlägt er sein Atelier auf. Dort entstehen die "wichtigsten und qualitätvollsten Bilder seines Oeuvres, unter anderem [...] 'Leute am blauen See', 'Modegeschäft', 'Seiltänzer'." (Ernst-Gerhard Güse, in: Ausst. Kat. August Macke, Münster/Bonn/München 1987, S. 171)

Lisbeth Macke beschreibt das neue Schweizer Domizil in einem Brief an die Freunde Franz und Maria Marc und fängt sehr anschaulich die am See herrschende Atmosphäre ein, welche hinsichtlich der hier angebotenen Tuschpinselzeichnung "Spaziergänger am See" auch von besonderem Interesse ist:

"Der ganze Oktober waren lauter Sonnentage [...] und es war so heiss, dass wir mittags im Garten brieten darin. Jeden Sonntag sind wir [...] im Boot losgezogen, schon morgens, bei herrlich klarstem Wetter, und wenn ein Wind kam, wurde schnell das Segel gezogen und beschleunigte unsere Fahrt. [...] Unser Häuschen liegt aber auch ideal schön und geschützt. Im Rücken haben wir gleich den Berg mit Wiesen und Wald zum Schutz, und vorne der Garten grenzt an den See und da haben wir den ganzen Tag Sonne, bis sie untergeht. [...] und oben hat August sich sein Reich eingerichtet in einem Zimmer mit Balkon und weiter Aussicht über den See. Der Garten ist reizend [...] wir haben auch ein Bootländte, und [...] der Fischer bringt uns die frischgefangenen Fische [...] gleich in's Haus." (Brief vom 11.11.1913, zit. nach: August Macke - Franz Marc Briefwechsel, Köln 1964, S. 173)

In der Zeit in Hilterfingen entstehen zahlreiche Zeichnungen, die das lässig-elegante Leben am Thuner See schildern. Zu unserer Zeichnung auch in Bezug auf Strich und Pinselführung sind besonders vergleichbar die in der Galerie "Der Sturm" ausgestellte Tuschpinsel- und Federzeichnung "Mädchen am Thuner See" (Heiderich 2076) sowie die Tuschpinsel- und Federzeichnungen "Auf der Promenade" (Heiderich 2118) und "Leute auf der Straße am Wasser" (Heiderich 2120).

Bei unserer Arbeit "Spaziergänger am See" handelt es sich um eine jetzt erst wieder entdeckte Vorarbeit zu dem 1913 entstandenen Gemälde "Leute am blauen See", das sich in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe befindet (Heiderich 522, s. Vergleichsabbildung). Daß das Blatt als eines der ganz wenigen signiert ist, dürfte auch auf Mackes eigene Wertschätzung dieser Zeichnung verweisen.

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