Karl Schmidt-Rottluff - Landschaft mit Karren

Karl Schmidt-Rottluff

Landschaft mit Karren
Um 1923 - 1925

Aquarell auf festem leicht genarbten Aquarellpapier 49,1 x 68,2 cm Unter Glas gerahmt. Am linken Rand unten mit schwarzer Tusche signiert SRottluff (ligiert). - Auf der alten Rahmungspappe mittig mit dem rechteckigen roten Sammlungsstempel "SAMMLUNG PROF. DR. KURT HERBERTS" sowie mit einer persönlichen, datierten Zueignung und Widmung von Kurt Herberts in blauem Kugelschreiber vom 28. Mai 1976 an den Vorbesitzer versehen; oben links auf einfachem Papieretikett maschinenschriftlich betitelt "Schmidt-Rottluff/ Landsch. m. Karren". - Das Papier altersbedingt gleichmäßig leicht gebräunt; rechts oben ein Randeinriss fachmännisch hinterlegt. - Von intensiver, schöner Farbigkeit.

Die "Landschaft mit Karren" ist ein bedeutendes Aquarell Karl Schmidt-Rottluffs aus der ersten Hälfte der 1920er Jahre und greift mit der Schilderung dörflicher Architektur ein für ihn typisches Thema der "Brücke"-Zeit noch einmal auf. Der Stil ist modifiziert und hat sich gewandelt. Dennoch werden auf dem Blattformat mit unnachahmlicher Großzügigkeit und Farbintensität die Einzelformen verteilt: eine Fachwerkscheune mit großem überhängenden Dach, ein spitzgiebliges Bauernhaus, ein Brunnen, ein Zaun, ein Brett, ein roter Karren, ein Hund, der ins Bild läuft, alles mit schwarzem Tuschpinsel umrissen und akzentuiert. Man hat für diese Werkphase, die die künstlerischen Erfahrungen der Vorkriegsjahre integriert, von einer den Bildern eigenen "Feierlichkeit und inneren Monumentalität" gesprochen (M. Moeller). Vereinfacht Schmidt-Rottluff die Formen ohne Rücksicht auf Größenverhältnisse und Perspektive, verbindet er doch die Flächen und verzahnt sie nicht zuletzt durch wenige, komplimentäre Farbkontraste und durch Farbtonwiederholungen. Sie sind z.T. so bizarr und gegenstandsfern, aber optisch wirkungsvoll, eingesetzt, dass der moderne Betrachter sich kaum wundert, einen blauen Hund oder einen knallblauen Brunnenschwengel vorzufinden. Das Motiv von "Landschaft mit Karren" stammt möglicherweise aus dem pommerschen Fischerdorf Jershöft an der Ostseeküste, in dem sich der Künstler in den 1920er Jahren wiederholt in den Sommermonaten aufgehalten hat.
Die Provenienz des Stückes aus der Sammlung des prominenten Wuppertaler Lackfabrikanten Kurt Herberts (1901-1989) ist bemerkenswert. Der Unternehmer engagierte bekanntermaßen in den Kriegsjahren für seine in dritter Generation geführte, 1927 neu gegründete Firma verfemte bildende Künstler wie Willi Baumeister, Oskar Schlemmer oder Georg Muche und konnte sie mäzenatisch durch Aufträge und Projekte unterstützen. Herberts beschäftigte sich ein Leben lang professionell und aus Leidenschaft nicht nur mit der Chemie und der Produktion von Lacken, sondern auch mit der Theorie der Farben und ihrer Wirkung, er sprach gerne von den Emotionen und Stimmungen, die sie auslösen und von der Bedeutung des Lichtes für ihre Entfaltung.

Zertifikat

Wir danken der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Brücke-Museum, Berlin, für freundliche, bestätigende Informationen nach Vorlage des Originals; das Werk ist in ihrem Verzeichnis dokumentiert worden.

Provenienz

Ehemals Sammlung Kurt Herberts, Wuppertal; Geschenk an den Vorbesitzer (1976), seitdem in Familienbesitz

Lot 585 D

Schätzpreis:
80.000 € - 120.000 €

Ergebnis:
150.000 €