Jan Brueghel d. Ä. - WALDLANDSCHAFT MIT JÄGER, HUNDEN UND EINEM DURCHBLICK AUF EINE STADT AM WASSER - image-1

Lot 1035 Dα

Jan Brueghel d. Ä. - WALDLANDSCHAFT MIT JÄGER, HUNDEN UND EINEM DURCHBLICK AUF EINE STADT AM WASSER

Auktion 969 - Übersicht Köln
20.11.2010, 00:00 - Alte Kunst
Schätzpreis: 90.000 € - 100.000 €
Ergebnis: 108.000 € (inkl. Aufgeld)

Jan Brueghel d. Ä.

WALDLANDSCHAFT MIT JÄGER, HUNDEN UND EINEM DURCHBLICK AUF EINE STADT AM WASSER

Öl auf Kupfer. 11 x 15,8 cm.

Die mit feinem Pinsel gemalte kleine Landschaft befindet sich seit 33 Jahren in einer belgischen Sammlung, deren Gemälde 1976 im belgischen Kortrijk ausgestellt wurden. Damals wurde sie Roeland Savery zugeschrieben, dessen Waldlandschaften in sehr enger Beziehung zu denen Jan Brueghels stehen. Erst kürzlich wurde unser Gemälde Dr. Klaus Ertz vorgelegt, der hier eindeutig die Hand Jan Brueghels d. Ä. identifizieren konnte.
Die wichtigsten Argumente sind dabei, dass sich auf dieser Tafel bereits deutlich die neuen Entwicklungen in der Malerei Brueghels abzeichnen, die in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts angelegt werden und die in dieser Form von Savery nicht übernommen wurden. Es sind im Wesentlichen vier Aspekte: Es ist erstens der Blick in den rechten Hintergrund, der an den Vordergrundbäumen vorbei begehbar zu sein scheint. Dies ist neu und modern. Es ist zweitens die bestechend harmonische Wechselwirkung von Licht und Schatten. Es ist drittens die Art der einander angeglichenen, ineinander übergehenden Gründe, die in die zukünftigen Waldlandschaften weisen, und es ist viertens die beginnende Auflösung des Drei-Farben-Schemas, das einem einheitlichen Gesamtton weicht. Dadurch wird eine räumliche Tiefe mit einhergehender Dreidimensionalität suggeriert, die in ihrer Realität schon sehr fortschrittlich wirkt. Diese Waldlandschaft lässt den Stimmungsgehalt der später entstandenen reiferen Waldräume, die um 1610 entstanden, schon erahnen.
Das Markenzeichen von Jan Brueghel d. Ä. ist der feinteilige und detailgenaue Pinselstrich - deutlich zu erkennen im Blattwerk der Bäume und der Stadtlandschaft im rechten Hintergrund. Klaus Ertz vergleicht unser Bild mit Gemälden Jan Brueghel d. Ä. in der Mailänder Ambrosiana (Ertz Bd. II, Kat. Nr. 86, um 1595 entstanden), bei Phillips, London 7.7.1992 (Ertz Bd. lI, Kat. Nr. 88, um 1600) und im Kunsthaus Zürich (Ertz Bd. II, Kat. Nr. 93, um 1605). Der Autor des Werkverzeichnisses wird das vorliegende Gemälde in seinem Addendum zu Band IV aufnehmen. Ein weiteres vergleichbares Werk wird er hier ebenfalls aufnehmen: ein kleines Kupferbild aus dem Museum Städel in Frankfurt, dass er ebenfalls um 1600 datiert. Auch dieses ist auf Kupfer gemalt und hat etwa die gleichen Maße.

Zertifikat

Klaus Ertz, September 2010.

Provenienz

Belgische Privatsammlung.

Literaturhinweise

Vgl. Klaus Ertz: Jan Brueghel der Ältere. Kritischer Katalog der Gemälde. Band I-IV, Lingen 2008/2010.

Ausstellung

Museum voor schone Kunsten, Kortrijk, Belgien, 1976 (als Roeland Savery).