Lesser Ury - Thüringer Wald - image-1

Lot 3 Rα

Lesser Ury - Thüringer Wald

Auktion 972 - Übersicht Köln
03.12.2010, 00:00 - Moderne Kunst
Schätzpreis: 35.000 € - 40.000 €
Ergebnis: 36.000 € (inkl. Aufgeld)

Öl auf Leinwand 66,2 x 95,5 cm, gerahmt. Unten links schwarz signiert L. Ury. - Rückseitig in der rechten Bildhälfte mit einem kleineren Leinwandflicken; stellenweise mit älteren kleineren Retuschen.

Ein noch 1980 dokumentiertes Nachlaß-Etikett auf der Rückseite des Gemäldes ging verloren, aber wie Sibylle Groß in ihrem Gutachten ausführt, ist das Werk im Inventar des künstlerischen Nachlasses, am 21. November 1931 vom damaligen Leiter der Kunstsammlungen der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Dr. Karl Schwarz, erstellt, unter der Nummer "275" als "Thüringer Wald, Öl, 66 x 95" aufgeführt.

Oskar Bie beschrieb die Landschaften Lesser Urys aus der Mark und Thüringen als "Gebete einer farbentrunkenen Seele", von diesen "Dingen umgeben sein, heißt den Frieden und die Schönheit um sich haben." (zit. nach Joachim Seyppel, Lesser Ury, Der Maler der alten City, Berlin 1987, S. 72). Im vorliegenden Gemälde kontrastiert Ury in großzügiger, breit angelegter Komposition die Farben in starken Gegensätzen von Hell-Dunkel. Sie evozieren in fast abstrakter Weise das Gegenständlich-Motivische. Den Mittelgrund beherrscht die dunkle Farbmasse, strukturiert und differenziert durch blaue und grüne Pinselzüge; leuchtend heben sich davon im Vordergrund das unruhigere Stakkato der violetten Blütenvegetation und die fast eisig-kühle, blaue Schichtung des Gebirges in der Ferne ab. Diese ferne Helligkeit, die alles überstrahlt, verleiht dem Gemälde eine gefühlte Weite und die Illusion von Luft und freiem Atem.
"Im Laufe der 1890er Jahre reiste der Künstler mehrfach nach Thüringen, wo er sich ausschließlich Landschaftssujets widmete. Lesser Ury wählte oftmals einen erhöhten Standort, um aus einer Art Vogelperspektive weite Panoramen zu malen. Von einem Höhenzug, bedeckt von violett schimmerndem Blumenmeer, lässt er den Blick des Betrachters über Bergkuppen mit dunklen Tannenwäldern in tief umschattete Täler mit hell aufleuchtenden Wiesenflecken gleiten. In der Ferne hebt sich ein lang gezogenes, Licht überflutetes Gebirgsplateau hart gegen den Horizont ab, über dem ein Schwarm Vögel seine Kreise zieht." (Sibylle Groß, Gutachten).

Lot 3 der Abendauktion am 3. Dez. 2010, 19 Uhr

Zertifikat

Mit einer Fotobestätigung und einem Gutachten von Sibylle Groß, Berlin, vom 10. November 2008

Provenienz

Aus dem Nachlass des Künstlers; Charlotte Kucharski, Stettin (seit 1932); Privatbesitz New York; Privatbesitz Israel (seit 1970er Jahre)

Literaturhinweise

Ausst. Kat. Berlin Metropolis, Jews and the New Culture, 1890-1918, The Jewish Museum, New York 1999, S. 121 mit Farbabb. 103 ("Untitled, Mountain Landscape")

Ausstellung

Tel Aviv 1980 (Gordon Gallery), Auktion 7, 22./23.11.1980, Nr. 294 mit Abb. ("Landscape"); Hamburg 1983 (Hauswedell & Nolte), Auktion 249, 9./10.1983, Nr. 1326 mit Farbabb. Tafel 37 ("Blick über ein Gebirgstal"); New York 1999/2000 (The Jewish Museum), Berlin Metropolis, Jews and the New Culture, 1890-1918 (Leihgabe)