Auktion 972, Moderne Kunst, 03.12.2010, 00:00, Köln Lot 35

Pablo Picasso, Femme et jeune Garçon nus, mardi 3 juin 1969

Pablo Picasso, Femme et jeune Garçon nus, mardi 3 juin 1969, 1969, Auktion 972 Moderne Kunst, Lot 35
Pablo Picasso, Femme et jeune Garçon nus, mardi 3 juin 1969, 1969, Auktion 972 Moderne Kunst, Lot 35
Pablo Picasso, Femme et jeune Garçon nus, mardi 3 juin 1969, 1969, Auktion 972 Moderne Kunst, Lot 35
Pablo Picasso, Femme et jeune Garçon nus, mardi 3 juin 1969, 1969, Auktion 972 Moderne Kunst, Lot 35

Farbige Kreiden, Tusche, teils laviert, auf leicht genarbtem elfenbeinfarbenen Velin 50,5 x 65,5 cm, unter Glas gerahmt. Unten rechts mit Bleistift signiert Picasso sowie mit schwarzer Tusche datiert 3.6.69. sowie rückseitig auf dem Bogen neben weiteren Pinselspuren mittig mit Tuschpinsel beschriftet mardi 3.6.69. [unterstrichen]./...- 8.6.69. - Rückseitig oben links mit dem Papieretikett der Galerie Louise Leiris, Paris, darin handschriftlich u.a. betitelt "Femme et enfant dormant".

Zervos Vol. 31, 229 mit Abb.

Wir danken der Galerie Beyeler, Basel, für die Archiv-Auskunft, dass das Blatt 1971 als "Femme et enfant sur l'herbe. 3.6.1969" von der Galerie erworben und noch im gleichen Jahr in die Privatsammlung verkauft worden ist.

Provenienz

Galerie Louise Leiris, Paris; Galerie Beyeler, Basel (1971); Privatbesitz Schweiz (seit 1971)

Das vorliegende aussergewöhnlich schöne Blatt aus den späten Jahren Picassos kombiniert virtuos in großem Format schwarze Tusche mit leuchtenden, verschiedenfarbigen Kreiden. Beide Mittel der Zeichnung werden in den Figuren und im Grund kontrapunktisch und gleichgewichtig, aber unlösbar miteinander verschränkt. Die Komposition lebt von den ausbalancierten Kontrasten: von Hell und Dunkel, von Lineament und Flächenzone, von kleinteiliger Binnenzeichnung und grossgesehener Form. Der unbemalte helle Papiergrund wird in die Komposition voll mit einbezogen. Diese formalen und zeichnerischen Komponenten erschliessen auf ideale Weise das Motiv der beiden gegensätzlich positionierten Figuren: die Linien umspielen in großer Dichte unterschiedlicher Schraffur fast zärtlich den frontal sitzenden weiblichen Akt, der sich wie im Schlaf neigt und mit zarter wie unwillkürlicher Gefühlsbewegung den Jungen mit dem Fuss hinter dem Ohr berührt. Dieser liegt seinerseits, ganz burschikos, mit dem Kopf nach unten, den rosigen Hintern und die Beine in die Luft gestreckt und ist mit einem runden Gegenstand, einem Ball vielleicht, gedankenverloren beschäftigt. Sein jugendlicher glatter Körper ist wie von der Sonne beschienen und in weichem grauen Lavis modelliert. Durch die Haltung der Figuren, durch die Verschränkung der Gliedmaßen und das Wechselspiel der Kontraste ergibt sich eine spannungsvolle wie monumentale Ausnutzung des Flächenformates. Die Akte sind gebettet in einen Fonds von hellem Grün und strahlendem Blau, den Farben des Sommers. Das Blatt verzaubert durch seine Harmonie und Natürlichkeit und verkörpert die Verführung selbst.

Manchen der hier für Picasso so charakteristischen, zeichnerischen Einfälle begegnet man im Werk auch früher, seien es die linearen Arabesken, die Ende der 1930er, Anfang der 1940er Jahre auftauchen und für seine Figur- und Raumbeschreibung so typisch werden, sei es die auffällige senkrechte "Kopfstellung" des Jungenaktes, die man bei jugendlichen Melonenessern in arkadischen Strandszenen der späten 1960er Jahre wiederentdecken kann. Während jedoch in den vergleichbaren späten Blättern oft eine Vielzahl von Gestalten sich szenisch vereinen, gehört das vorliegende Werk mit der schlichten zweigeteilten Komposition zu den konzentrierten, intimer gestimmten Blättern. Wie bei einer 1967 entstandenen großen Zeichnung "Couple dans un Pré" kann man mit Klaus Gallwitz feststellen:

"Nicht immer essen seine Paare Melonen. Alle 'Handlung' ist aus der Zeichnung des liegenden Paares auf einer Wiese verschwunden. Kein genrehaftes oder parodistisches Moment lenkt auf einen Vorgang ab. Die Szene ist ganz kontemplativ gegeben, so als hätte sich der Maler von seiner Tätigkeit befreit und wäre allenfalls nur noch ein Betrachter des Modells. Picasso, der so gern jeden spielerischen Vorwand aufgreift, verzichtet auf ihn zugunsten der angespannten Stille, die sich in der erregten Deutlichkeit des Striches und den wenigen akzessorischen Farben vollständig und eindringlich darstellt." (ders., Picasso Laureatus, Sein malerisches Werk seit 1945, Luzern 1971, S. 177)

Lot 35 der Abendauktion am 3. Dez. 2010, 19 Uhr

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