Maurice Estève - Enlèvement

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Maurice Estève

Enlèvement
1953

Öl auf Leinwand 65 x 81 cm - Partiell mit kleineren Schwundrissen und schwachem Craquelé.

Der französische Maler Maurice Estève hat sich in seiner Frühzeit am späten Kubismus, aber auch an Surrealismus und Expressionismus orientiert. Vor allem von Cézanne sowie von Bonnard lernte er Farbe und Licht als Einheit zu betrachten. Schrittweise entzog er seinen Darstellungen ab circa 1947 den direkten Gegenwartsbezug zugunsten einer freien Formfindung. Anfang der 1950er Jahre konsolidierte sich der für ihn typische Stil, wobei er nach und nach das charakteristische, vielen Kompositionen zu Grunde liegende Gittersystem aufgab. Estève gehörte damals zu einer Gruppierung von Künstlern, die das Gesicht der "Ecole de Paris" nach dem zweiten Weltkrieg entscheidend mitprägten. 1954 nahm er an der Biennale in Venedig teil, was den Erfolg seines Werks verdeutlichen mag.
"Enlèvement" zeigt ein Gefüge sich überschneidender farbiger Formen von großer Strahlkraft. Die Grenzen der geschwungenen Bänder und der organischen Formen vor farbigen, oft rechteckigen Flächen sind häufig unscharf begrenzt. Durch diesen Zug verhinderte Estève eine rein ornamentale oder sogar schablonenhafte Wirkung. Ganz im Gegenteil, - gerade durch diese Entschärfung, durch lasierende Übermalung und versteckte farbige Akzente, gewinnen die ungegenständlichen Formen einen körperlichen Wert. Der Betrachter nimmt ein kraftvoll fideles Gefüge brillant farbiger Formen wahr. Estève ging es darum, ein formales Gleichgewicht zu schaffen. Insofern ist der Titel der Komposition, „Entführung“, trotz der angedeuteten Schlinge nicht wörtlich zu lesen, sondern vielmehr als Abenteuer der verdichteten Formen, welche in Bewegung erfasst in einen offenen Raum integriert sind. Zugunsten der malerischen Poesie ist das Bild vom wiedererkennbaren Gegenstand befreit. Maurice Estèves Oeuvre, wie auch das seiner Künstlerkollegen Riopelle und Bazaine, begründete eine neue Bildsprache der lyrischen Abstraktion, die bis heute nicht an relevanter Kraft verloren hat.

Lot 36 der Abendauktion am 3. Dez. 2010, 19 Uhr

Werkverzeichnis

435 Maillard

Provenienz

Galerie de France, Paris; Sammlung Sonja Henie-Niels Onstad, Oslo; Privatbesitz Schweiz (seit 1973)

Literaturhinweise

Pierre Francastel, Estève, Paris 1956, S. 166

Ausstellung

Basel 1956 (Galerie Beyeler), Abstrakte Malerei; Basel 1958 (Kunsthalle), Kunst und Natur, mit Abb.; Oslo 1960 (Kunstnernes Hus), Sammlung Sonja Henie-Niels Onstad, Kat. Nr. 60 (mit rückseitigem Papieretikett und Stempel); Copenhagen/Göteborg/Stockholm/Hamburg/Essen/Stuttgart 1961 (Lousiana/Konstmuseum/Moderna Museet/Kunsthall/Museum Folkwang/Württembergischer Kunstverein), Sammlung Sonja Henie-Niels Onstad; Frankfurt/Basel/London/Paris/Wien/Edinburgh/Liverpool 1962 (Frankfurter Kunstverein/Kunsthalle/Tate Gallery/Musée d'Art moderne de la Ville de Paris/Künstlerhaus/Festival Edinburgh/Walker Art Gallery), Sammlung Sonja Henie-Niels Onstad; La Haye/Genf/Bergen i. Norwegen 1963 (Gemeetemuseum/Musée d'Art et d'Histoire/Bergens Kunstforening), Sammlung Sonja Henie-Niels Onstad

Lot 36 R

Schätzpreis:
120.000 €

Ergebnis:
168.000 €