Jan van Kessel d. Ä., zugeschrieben - FRÜCHTESTILLLEBEN MIT BLUMEN-TAZZA, EICHHÖRNCHEN UND STEINKRUG

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Jan van Kessel d. Ä., zugeschrieben

FRÜCHTESTILLLEBEN MIT BLUMEN-TAZZA, EICHHÖRNCHEN UND STEINKRUG

Öl auf Holz. 30,6 x 54 cm.

Eine zweite und gleich große Fassung dieser Komposition, auf Kupfer gemalt, befindet sich in der Londoner Harold Samuel Collection. Beide Bilder haben im Laufe der Zeit unterschiedliche Zuschreibungen erfahren: zum einen Jan Brueghel I oder Jan Brueghel II, zum anderen Jan van Kessel d. Ä. oder Jan van Kessel-Nachfolge (Fred Meijer). Die Unsicherheit in der Zuschreibung unsignierter und undatierter Bilder an diese Künstler - oder an einen bisher namentlich nicht bekannten „Nachfolger“, der vielleicht einer der Söhne van Kessels sein könnte - geht zurück auf den sehr engen künstlerischen Austausch zwischen ihnen. Über das Künstlerische hinaus bestanden auch familiäre Beziehungen: Jan Breughel d. Ä. war Jan van Kessels Großvater mütterlicherseits, Jan Brueghel d. J. sein Onkel.
Beide Bilder zeigen eine Tischplatte, auf der eine Fülle von Gegenständen, Tieren und Insekten ausgebreitet wird: eine goldene Tazza mit Blumen (ein Motiv aus dem Repertoire Jan Brueghels d. Ä.), ein Eichhörnchen, zwei Meerschweinchen (ebenfalls bei den Brueghels zu finden), chinesische Porzellanschalen mit Beeren und Kirschen sowie eine dritte mit Äpfeln und Birnen, Schmetterlinge, kleine Blüten, Nüsse, Brot und Besteck. Ungedeutet bisher - und rätselhaft - ist auf beiden Bildern die weiße Serviette auf der Tischkante, in die der Habsburger Doppeladler eingewebt ist. Vielleicht handelt es sich dabei um einen Hinweis auf den Auftraggeber, der dann wohl Erzherzog Leopold Wilhelm (1614-1662) wäre, der Statthalter der Niederlande und große Kunstsammler.
Eine dritte nicht identische, aber sehr ähnliche Komposition befand (oder befindet) sich in einer Frankfurter Privatsammlung. Hier fehlt u.a. die besagte Serviette. Diese drei Bilder fügen sich stilistisch zu einer Reihe vergleichbarer Werke zusammen, die Jan van Kessel zugeschrieben werden. Am prunkvollsten sind dabei zwei großartige Gegenstücke in der Galerie Doria Pamphili in Rom. Diese Werke zeichnen sich durch eine miniaturhafte Malerei aus, die von hohem ästhetischem Reiz und gleichzeitig um eine präzise Wiedergabe der sichtbaren Welt im Sinne eines enzyklopädischen Interesses bemüht ist.
Das Oeuvre des Malers Jan van Kessel d. Ä. ist monographisch bisher noch nicht erfasst worden. Klaus Ertz bereitet einen Katalog seiner Werke vor, der 2012/2013 erscheinen soll. Hier wird er unser Gemälde als eigenhändiges Werk von Jan van Kessel aufnehmen.

Zertifikat

Klaus Ertz, 21.8.2010 (als eigenhändiges Werk von Jan van Kessel d. Ä.).

Provenienz

Kunsthandel K. und V. Waterman, Amsterdam 1984. - Belgische Privatsammlung. - Verso Punze des Tafelmachers Melchior de Bout. Altes Sammlersiegel mit Seepferdchen oder Pegasus (?). Sammlungsnummer N 75 Breugle de velours.

Literaturhinweise

P. Sutton: Dutch and Flemish Seventeenth Century Paintings. The Harold Samuels Collection, Cambridge 1992, S. 107-109.

Lot 1082 Dα

Schätzpreis:
180.000 € - 220.000 €

Ergebnis:
217.800 €